Mittwoch, 20. August 2014

Stand der Dinge - Juli + August '14

Es ist wieder einmal Zeit über meinen Fortschritt zu berichten - dass ich das so lange nicht getan habe, ist nur ein Zeichen dafür, dass es zurzeit gut vorangeht.

Beim letzten "Stand der Dinge"-Post habe ich versucht, meine generelle Schreibarbeit grob zu umreißen. Daran knüpfe ich kurz an. Ich musste nämlich, wie gesagt, große Parts des bereits Geschriebenen überarbeiten und, hey, das habe ich getan. Außerdem sind die bereits verfassten 150 Seiten auf knappe 200 gewachsen. Im Vergleich zu meinem üblichen Rhythmus sind fast 40 Seiten Überarbeitung plus 50 neue Seiten in ungefähr zwei Monaten schon relativ viel, muss ich dazusagen. Im Vergleich zu beruflichen Autoren ist das übrigens langsam - aber die Uni ruft ständig und hält mich mit diesen dummen Hausarbeiten davon ab (nein, ich beschwere mich nicht wirklich darüber, ich echauffiere mich nur).

Die gut sortierten Blogleser fragen sich an dieser Stelle: Was ist in dieser Überarbeitungsphase geschehen? Und wohin führen die neuen 50 Seiten? Nun, falls es euch gut sortierten Blogleser da draußen tatsächlich gibt, möchte ich euch an dieser Stelle nicht zappeln lassen.

Zur Überarbeitung:
In meiner selbsterdachten Welt gibt es einen großen Vorteil - ich muss nicht jeden Mist recherchieren, sondern kann ihn mir einfach selbst ausdenken. Natürlich achte ich darauf, dass alles im Rahmen bleibt und einigermaßen rund ist, aber wenn ich in einem Setting, das in unserer Zeitrechnung ungefähr dem 13. bis 14. Jahrhundert in Europa entspricht, einen großen Lastenaufzug brauche, dann erschaffe ich eben einen. Fair enough. Die Fantasie spielt mit.
Problematisch wird es bei mir immer nur dann, wenn ich über das Vorankommen der Geschichte eine gesunde logische Betrachtungsweise verliere - tja, genau das ist mir passiert und ich hatte einige Zeit damit zu tun, einen richtig dummen Fehler auszubügeln. 
Bevor ich euch diese konkrete Überarbeitung vorstellen kann, muss ich allerdings noch ein paar Informationen zur Handlung meines Buches rausgeben (und euch damit leider volle Kanne anteasern, sodass ihr solche Lust bekommt es zu lesen, dass ihr bis zum Erscheinungsdatum in qualvoller Ungeduld leben werdet).

Die Handlung des gesamten Romans spielt sich in einem kurzen Zeitabschnitt von ungefähr anderthalb bis zwei Wochen ab. Es gibt in der Fantasysparte sehr viele Werke, die einen breiten bis epischen Zeitraum abdecken (Jahre, Jahrhunderte usw.) und das hat, zugegebenermaßen, auch seinen Reiz. Ich empfinde aber kleine Geschichten oft als sehr viel packender - ob nun Fantasy, Thriller (24, Reservoir Dogs) oder Action (The Raid). Ein enger zeitlicher und womöglich auch räumlicher Rahmen hat für mich als Autor mehrere Vorteile. Ich muss noch nicht die gesamte Welt ausarbeiten, sondern kann immer wieder am Rande Informationen einstreuen. Und ich kann die Entwicklungen der Charaktere gezielt ausformulieren (ohne Situationen die vor drei Romanen und vierhundert Buchjahren mal geschehen sind außer Acht zu lassen - Hut ab, George Martin, Hut ab). Der Nachteil ist dabei, dass diese Charakterentwicklungen nicht besonders üppig ausfallen, denn welcher Mensch dreht sich schon innerhalb von einer Woche um 180°?

Meine Geschichte in diesem kurzen Zeitrahmen unterzubringen war kein Problem, im Gegenteil, ich habe ja von Beginn an so geplant. Problem war dabei nur, dass ich außer Acht gelassen habe, dass in der ersten Hälfte des Romans sehr viel gereist wird - und reisen nun einmal seine Zeit braucht.
In der ersten Fassung des Buches haben die vorderen Kapitel in nur zwei Tagen spielt - nur reisen die Figuren in dieser Zeit unglaublich viel im Land umher, in meiner eigenen Berechnung sind es ungefähr 450 Meilen. Und da ich mich für ein Mittelaltersetting entschieden habe, ist für diese Strecke eine Reisezeit von zwei Tagen einfach komplett unrealistisch - nein, eigentlich nicht einmal mehr das, sie ist lächerlich.

Blöd nur, dass mir das überhaupt nicht und meinem Lektor (Gruß, Papi) erst aufgefallen ist, als bereits so ungefähr 130 Seiten geschrieben waren. Das hieß: die vorderen Kapitel komplett umschreiben, weitere Kapitel einfügen (um die verlängerte Reisezeit nicht einfach in zwei Nebensätzen zu erwähnen, sondern für den Leser fühlbar zu machen) und diese gesamten Änderungen in den späteren Kapiteln aufzuarbeiten. Immer dann nämlich, wenn die Charaktere in Dialogen und Gedanken Bezug auf Vergangenes nehmen, muss dieses Vergangen auch den neuen Änderungen entsprechen. Ich denke, ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie viel Arbeit das war.

Kurze Anmerkung: Ich hätte mir natürlich von vornerein irgendeinen Trick ausdenken können, um meine Figuren schneller durch's Land zu kriegen. Einen billigen Teleportationszauber oder riesige, zahme und fliegende Tiere (Herr der Ringe-Adler lassen grüßen) oder so einen Fantasyquatsch halt. Aber - großes Aber - das würde für die Art meiner Geschichte nicht funktionieren. Ich will nicht zu viel verraten, deswegen kann ich da nicht ins Detail gehen, aber ich sag's mal so: Magie ist meiner Fantasywelt nicht an jeder Straßenecke zu finden. Riesige, fliegende Tiere gibt es vielleicht irgendwo, aber wenn sie riesig sind und fliegen können, wie hätten normale Menschen wie du und ich sie im Mittelalter zähmen können ohne Magie? Naja, und Fantasyquatsch gibt's bestimmt in meinem Buch, aber wenn meine Figuren reisen müssen, dann lasse ich sie das auf Pferden, Schiffen und vor allem zu Fuß tun. Man kann ihnen ja nicht alles hinterher tragen.

Zurück zum Thema: Im Nachhinein betrachtet, haben diese Überarbeitungen mir selbst und dem Buch überaus gut getan. Die erste Hälfte ist ein wenig entstrafft, durch neue Kapitel können die Figuren sich mehr entfalten und der Leser wird gemächlich in den richtig hektischen und actionreichen Part geworfen. Der Rhythmus meiner Geschichte ist nun in einem wirklich ausgewogenem Maße, wie ich finde. Tschacka!

Weitere Überarbeitungen sind eher kleiner ausgefallen: Ein paar Stellen erweitert, ein Kapitel komplett umgeschrieben - aus einem langweiligen Monolog wurde ein zynisch beobachtetes Streitgespräch - und hier und da einige Details eingefügt, um meine Welt abzurunden. Aber solche kleinen Änderungen passieren eigentlich alle paar Wochen mal. Inzwischen sind allerdings rund 90 Seiten geblockt - das heißt, sie sind im jetzigen Stand der Dinge fertig und müssen auch nicht mehr überarbeitet werden. Ganz am Ende, wenn die letzte Seite geschrieben ist, werde ich selbstverständlich noch einmal über alles gehen und auch ein paar Testleser (Bewerbungsmails an diese Adresse: hier klicken) noch ihren Senf dazu geben lassen. Aber bis dahin sind die 90 Seiten fertig. Gutes Gefühl übrigens. Lässt mich besser schlafen.

Zu den neuen Kapiteln:
Ja, hier wird's knifflig. Inzwischen befinde ich mich schon im letzten Drittel meiner Geschichte, kurz vorm Finale, also kann ich zu konkreten Inhalten leider gar nichts sagen. Ich möchte euch ja später noch überraschen können - aber zum Thema Überraschungen kann ich etwas erzählen.

Die Kapitel, die jetzt kommen, spielen wirklich nur in wenigen Stunden und da geht's richtig zur Sache. Zu diesem Zeitpunkt habt ihr als zukünftige Leser (weil ihr das NATÜRLICH alle seid!) meine Figuren bereits über eine Woche - Buchzeit, nicht Lesezeit - begleitet und sie, wenn ich meine Arbeit gut gemacht habe, kennen und, wenn ich meine Arbeit sogar sehr gut gemacht habe, auch schätzen gelernt. Nun reicht aber eine Woche natürlich nicht, um einen Menschen wirklich bis ins Innerste kennenzulernen. In einem Buch mag das gehen, weil Figuren natürlich überspitzt sind und eher Eigenschaften und Ideen verkörpern, als dass sie tatsächliche Wesen sind, aber in der echten Welt ginge das nicht. Und darüber hinaus geraten die Charaktere in den letzten Zügen meines Romans in richtig fiese Situationen.

Halten wir also fest: eine Woche reicht nicht, um die Protagonisten bis ins Detail zu durchdringen, und dann werden sie zum Ende auch noch richtig hart auf die Probe gestellt und unter Druck gesetzt - tja, mehr möchte ich zum Thema Überraschungen dann doch nicht sagen. Aber eine Figur nach 200 Buchseiten plötzlich entgegen den Erwartungen (der Leser) handeln zu lassen, macht nicht nur großen Spaß, sondern kann, so lange realistisch verpackt, auch beinahe immer zum Erhalt des Spannungsbogens beitragen, finde ich. Also, Notizbuch für "kleine Autorentipps von großen Autoren (hüstel)" raus und mitgeschrieben.

In diesem Sinne sage ich: Bis zum nächsten Stand der Dinge oder anderem Blogeintrag, bleibt easy und habt eine gute Zeit. Ach so, und falls ihr mal Fragen oder Vorschläge für Blogtexte haben solltet, ich habe oben ja schon zu meiner E-Mail-Adresse verlinkt - schreibt mir.

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