Donnerstag, 23. Oktober 2014

Stand der Dinge - September + Oktober '14

Derzeit gibt es zwar leider nicht viel zu erzählen, aber dennoch ist wieder Zeit für den Stand der Dinge. Das, was ich zu erzählen habe, werde ich aber auf gewohnt hohem Niveau mit euch teilen, ohne ausschweifend zu werden. Hoffentlich.
 An der Buchseitenzahl hat sich in den letzten sechs Wochen nur wenig getan - was nicht heißt, dass ich nicht am Buch gearbeitet habe, sondern eher darauf hinweist, dass ich mich mal wieder in Nachkorrekturen verfangen habe.

Mal kurz zu diesem Prozedere (verzeiht diesen kurzen Einschub):

Bei den meisten Autoren scheint es üblich zu sein, das Buch vor dem ersten Entwurf (im englischen Draft) in Exposeé-Form festzuhalten. Dann wird der erste Entwurf runtergeschrieben, ohne Rücksicht auf Verluste. Anschließend gehen die genannten Autoren über die erste Fassung, ändern Kapitel, streichen Kapitel, nehmen sprachlichen Feinschliff vor und so wird der erste zum zweiten Entwurf. Dieses Verfahren wird dann noch ein paar Mal wiederholt, bis Lektoren, Autoren und Verlag mit einer Version zufrieden sind. Das fertige Manuskript ist geboren.

Ich habe zwar einen Lektor (allerdings auch nur einen, bei berufstätigen Autoren werden es wohl mehrere sein), aber keinen Verlag. Noch dazu hat mir, als ich angefangen habe das Buch zu schreiben, niemand von diesem Verfahren erzählt. Ergo: ich fing wohl mehr schlecht als recht an zu schreiben, ohne mir den roten Faden meines opus magnum permanent vor Augen zu halten. Ich glaube, das habe ich an anderer Stelle schon einmal beleuchtet. Worauf ich hinaus will ist, dass ich es jetzt einfach durchziehen und das Dingen so runterschreiben könnte, wie ich es mir in einem vierseitigen Word-Dokument grob vorgekaut habe, um diesen ersten Draft endlich fertigzustellen. Allerdings wäre das - gelinde ausgedrückt - schlussendlich Mist. Und es bringt nichts, tausend neue Entwürfe zu machen. Deshalb gehe ich immer wieder im Text vor und zurück, um alles, was bis jetzt steht, auf das gleiche Level zu bringen. Quasi tausend Überarbeitungen, aber dafür hoffentlich bald einen passablen ersten Entwurf. Klar soweit?

Aber um zum Stand der Dinge zurückzukommen - mein derzeitiger Feind sind die Charaktere. Nein, eigentlich sind die Charaktere mein permanenter Antagonist. Mein Erzfreind. Mein Joker, mein Lex Luthor, mein Darth Vader. All die anderen Feinheiten sind nur Handlanger.
Nachdem also auf den Seiten 1 - 150 die Story stringent erzählt, der Sprachstil zufriedenstellend und die Dialoge endlich ausgefeilt waren, fiel mir auf, dass einige der Charaktere zu blass, manche in sich nicht geschlossen und andere kaum mehr als ein paar Zeilen Dialog sind. Eine fatale Erkenntnis, möchte man meinen.

Nun schließe ich nach und nach diese große Lücke meinerseits und bin dabei schon wieder auf Seite 163 angekommen, wo ich derzeit an einem großen Dialog hänge. In diesem sollen nämlich folgende Dinge abgedeckt werden: Auftreten und Kennenlernen von einigen noch recht frischen Figuren, grobe Erläuterungen von Umständen, die absolut storyrelevant sind, stimmige Gesprächsführung und Fährtenlegen für spätere Geschehnisse. Und bei all dem darf man natürlich nicht vergessen, dass es auch noch irgendwie Spaß bereiten soll, es zu lesen.

Dafür bin ich jetzt sehr zufrieden mit meinen Haupt- und Erzählcharakteren. Die einzelnen Figuren haben nun prägnantere Eigenschaften und Charakterzüge, die gleichzeitig in Gedanken und Handlungen besser zur Geltung kommen. Zwei Charaktere sind stellenweise komplett neu definiert, wobei das bei einem nicht besonders schwer war, da er zuvor tatsächlich absolut glatt und unbeschrieben wirkte - was meiner Meinung nach ein absoluter Todesstoß für mitreißende Erzählungen ist. Mir als Autor ist es überaus wichtig, den Lesern direkt ein Bild zu vermitteln (dafür steh ich mit meinem Namen). Jeder Charakter muss bereits nach ein paar Seiten in eine Schublade passen, damit die Leser ihn verstehen und später womöglich auch mit ihm fühlen und leiden können. Eine Figur, die das nicht schafft, bleibt gesichtslos und somit vollkommen überflüssig.

Ja, höre ich die Zweifler rufen, aber so ist es doch im echten Leben auch nicht - jeder Mensch hat unendlich viele Seiten und kann in extremen oder ungewohnten Situationen plötzlich ganz anders sein.
Ja, hören die Zweifler mich antworten, aber selbst in einem 600 Seiten Buch lernt man die Charaktere niemals so kennen, wie man einen echten Menschen über Wochen, Monate und sogar Jahre kennen lernen kann. Und abseits vom Kennenlernen müssen in diese 600 Seiten ja auch noch Welt-, Orts- und Handlungsbeschreibungen, Storyentwicklung, Dialoge, Spannung, Witz und Unterhaltung. Da ist es tatsächlich am einfachsten, möglichst archetypische - aber bestmöglich nicht abgedroschene - Figuren einzuführen, die der Leser bereits nach zwei Kapiteln scheinbar "jahrelang" kennt. Keine Psychoanalyse, aber ein bisschen Alltagspsychologie.

Übrigens: ich bin nicht für Schubladendenken, ganz und gar nicht. Doch als Autor benutze ich typische und vor allem weit verbreitete Eigenschaften, Macken oder charakterliche Besonderheiten, um das oben genannte schnell und einfach umsetzen zu können. Nicht, weil meine Figuren tatsächlich Klischees erfüllen, persiflieren oder sonst etwas damit tun sollen, sondern nur um die Figuren auf den ersten Blick einfach zugänglich zu machen. Ich will die Protagonisten greifbar und bildich darstellen, ohne sie zu oberflächlichen und platten 0-8-15 Helden verkommen zu lassen. Und vielleicht könnt ihr jetzt verstehen, wieso ich mich schon wieder so lange an einer Sache aufgehängt habe.

Aber es wird, Freunde, es wird. Und nach meiner letzten Berechnung wird es vor allem länger, als am Anfang gedacht. Aber das macht nichts. Besser länger, als gequetscht oder gehetzt. Ja, es wird ein gut abgehangenes und fein mariniertes Stück Buch, das ich da schreibe.

Ich hoffe, es wird euch schmecken. Guten Appetit.

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