Mittwoch, 10. Dezember 2014

Max schaut - "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" und "Der Hobbit - Smaugs Einöde"

Angesichts des heute startenden letzten Teils der "Hobbit"-Trilogie von Peter Jackson möchte ich vor meinem heiß-erwarteten Kinobesuch, der leider erst in zwei Wochen stattfinden kann, noch einmal meine Gedanken zu den beiden bisherigen Filmen loswerden. Nach Sichtung von "Der Hobbit - Die Schlacht der fünf Heere" werde ich natürlich auch dazu meinen Senf abgeben. Ich bin ja, ganz bescheiden gesagt, sozusagen vom Fach. Tolkien ist eben Champions League und ich höchstens 2. Kreisliga. Oder Bolzplatz. Aber vom Fach.

Ich habe vor einigen Jahren die Bücher - sowohl "Der Herr der Ringe" als auch "Der kleine Hobbit" - gelesen und sehe mich, trotz leicht getrüber Erinnerung, dazu in der Lage, einen halbwegs fundierten Vergleich zwischen den literarischen Vorlagen und filmischen Umsetzungen zu ziehen. Prinzipiell halte ich ständige Vergleiche aber eher für hinderlich, was den Filmgenuss angeht - dazu später mehr.

Ach so, vorweg erwähnen sollte ich auch, dass ich die "Herr der Ringe"-Trilogie für eine mustergültige Fantasy-Verfilmung halte, die bis auf winzige Ecken und Kanten - die ich über die Jahre auch lieben gelernt habe - unanfechtbar ist. Ich darf mich entweder rühmen oder muss mich dafür schämen, je nach Betrachtungsweise, dass ich die Filme allesamt bestimmt ein Dutzend Mal gesehen habe.

So, frisch ans Werk.

Der erste Teil der "Hobbit"-Trilogie hatte es bei mir am schwersten. Das ist bei nur zwei gesehenen Teilen nicht so außergewöhnlich, aber andersrum betrachtet heißt das, dass der erste Part den Weg  für die Nachfolger scheinbar gut bereitet hat. Und das sogar auf sehr steinigen Pfaden: Riesige Fußstapfen die zu füllen waren, viele Gerüchte und ordentliches Geschimpfe über Frame-Rate, Bildformate etc. im Vorfeld, die seltsame Veröffentlichungspolitik (ein kleines Büchlein auf drei Filme mit Überlänge auszuweiten) und die Schwierigkeiten, ihn irgendwo auch in Nicht-3D anschauen zu können. Ich bin kein Fan von 3D.

Rückblickend muss ich sagen, dass der erste Kinobesuch entsprechend ernüchternd ausgefallen ist. Ich kam aus dem Filmtheater und wusste überhaupt nicht, was ich von "Eine unerwartete Reise" halten sollte. Einige der inzwischen schon inflationär-gefallenen Kritikpunkte trafen auch auf mein Empfinden zu.

Ich hatte das Gefühl, dass der ganze Film künstlich aufgeblasen worden war. Das lag natürlich am Vergleich zu Tolkiens "Der kleine Hobbit", den ich bei der ersten Sichtung einfach nicht vermeiden konnte. Andererseits schien mir der erste Film in seiner Gesamtatmosphäre zu albern oder kindlich, als dass er sich besonders ergreifend oder monumental hätte entfalten können. Das ist wohl darauf zurückzuführen, dass ich die ganze Zeit über die Vorgänger-Filme im Hinterkopf hatte. Zwischen diese beide Stühle hätte sich wohl kein Film setzen können, ohne dabei irgendjemanden zu enttäuschen. Es ist weder Jacksons noch sonst jemandes Schuld, dass mein erster Eindruck eher unbefriedigend war - höchstens meine eigene.

Monate später habe ich dann die Extended Edition in gemütlicher, heimischer Atmosphäre geschaut und bekam plötzlich eine andere Meinung. Ich glaube nicht, dass das nur an der erweiterten Fassung des Films lag - so viele gravierende Änderungen und Ergänzungen gibt es gar nicht. Die berühmten und für Film-Marathons beliebten Langfassungen der "Herr der Ringe"-Trilogie haben da im Vergleich deutlich mehr geboten. Nein, den zweiten, deutlich besseren Eindruck kann ich nur darauf zurückführen, dass ich wusste, was mich erwartet. Das Eis war bereits gebrochen und ich frei von all den hohen Erwartungen - und plötzlich sah ich im "Hobbit" den hervorragenden Film, der er meiner Meinung nach ist.

Die "Hobbit"-Filme sind weder eine adäquate Umsetzung des Buches, noch eine gleichberechtige Fortsetzung von "Der Herr der Ringe". Die Fans, wie auch ich, haben sich natürlich eine der beiden Varianten - und am besten beide gleichzeitig - gewünscht, aber wie hätte das funktionieren sollen?

Ich verstehe Jacksons "Hobbit" als eine für sich stehende, Mittelerde ganz und gar verehrende Fanboy-Vision einer tolkienschen Geschichte, die nicht haargenau der Vorlage entspricht, dafür aber ganz im Geiste des Autors fährt. Das heißt selbstverständlich nicht, dass ich den "Hobbit" losgelöst von "Der Herr der Ringe" noch unabhängig vom Buch betrachte - gerade der von Jackson dazugedichtete Bogen, der zu den späteren Geschehnissen in Mittelerde schlägt (Nekromant; Saurons Auftritt etc.), macht das unmöglich. Aber die direkten Vergleiche habe ich für mich abgelegt - sie würden mir technisch eindrucksvolle, musikalisch brillante, schauspielerisch beachtliche und das Herz eines Fantasy-Fans, wie mir, höher schlagen lassende Ausflüge in das 3. Zeitalter Mittelerdes vermiesen. Und diese Ausflüge sind viel zu selten, als dass ich sie mir vermiesen möchte.

Trotzdem konnten auch das zweite und dritte Mal Anschauen nicht alle meiner Kritikpunkte ausräumen.

Viele Elemente der Vorlage wurden ziemlich verfremdet oder enttäuschend lieblos umgesetzt. Na gut, da vergleiche ich also doch - aber auch ohne den Vergleich sind die nachfolgend angeführten Beispiele enttäuschend. 

Die Szene mit den Trollen ist mein absoluter Tiefpunkt des ersten Films. Der Kampf ist weder knallhart, noch großartig choreographiert, noch mit maßstäben-setzender Technik verwirklicht - der Dialog bzw. die Diskussion, die die Trolle so lange aufhält, bis sie zu Stein werden, halte ich für eine Frechheit. Generell musste ich feststellen, dass Jackson viele der Konversationen (die das Buch für mich ausmachen) regelmäßig in den Sand setzt. Die Beorn-Szene war im Kino eine Katastrophe. Die Zwerge rennen zehn Sekunden lang vor dem Bären weg, knallen die Tür zu (natürlich nicht, ohne dass der Bär noch einmal dramatisch sein Maul durch den Spalt halten darf) und gehen schlafen. Am nächsten Morgen ist Beorn dann in normaler Gestalt am Frühstückstisch. Die Extended Fassung vom zweiten Teil korrigiert diese, entschuldigt die Wortwahl, filmische Unverschämheit zwar etwas, aber wieso hat Jackson ausgerechnet da versagt? In anderen Szenen zeigt er doch, dass es auch um Längen besser geht.

Man betrachte das Positiv-Beispiel der Gollum-Szene. Martin Freeman und Andy Serkis schaffen in einer sehr aufreibenden Viertelstunde das, was ich mir für den Rest des Films auch gewünscht hätte. Über das erste Zusammentreffen von Bilbo und Smaug im zweiten Teil möchte ich hier keine Worte mehr verlieren, ich denke, dass wir uns einig sind, dass diese Szene der absolute Höhepunkt der beiden Hobbit-Teile ist. Falls ihr anderer Meinung seid, liegt ihr eben falsch und habt keine Ahnung.

Übrigens: die Casting-Entscheidungen halte ich für vernünftig (Luke Evans!). Das Wiedersehen mit Hugo Weaving, Christopher Lee und allen voran Sir Ian McKellen bedarf wohl keines weiteren Kommentars.

Der Anfang des ersten Teils mit Ian Holm und Elijah Wood weckt natürlich alte Erinnerungen, die mit warmen, nostalgischen Gefühlen verknüpft sind.

Die Zwerge fallen zu Anfang gesichtslos aus und viele kritische Stimmen bemängeln diese Charakterlosigkeit (mal von Thorin und Balin abgesehen) über die gesamten Filme hinweg. Das sehe ich nicht so, auch Dwalin, Kili und Fili, Gloin, Bifor, Bofur und Bombur (auch wenn es nur an seiner ... "Statur" ... liegt) kommen mir im Laufe der beiden Teile immer näher.

Abgesehen von den Zwergen gibt es da natürlich noch ein paar Gestalten, die erst einmal auf den Prüfstand müssen: Radagasts Rolle finde ich halbwegs amüsant, wirklich warm werde ich mit dem aber nicht. Meiner Meinung nach der schwächste Charakter des ersten Films. Im zweiten Film wird er geschlagen von Bards Kindern. Tauriel, die als einzige der handlungstragenden Figuren nicht aus Tolkiens Feder stammt (soweit ich weiß), spielt zwar wie erwartet keine Schlüsselrolle in der Geschichte, ich kann aber verstehen, aus welchen Gründen Jackson sie reingeschrieben hat. Abgesehen von der Liebesgeschichte, die sich zwischen ihr und Kili entwickelt, gibt es nämlich keine besonders emotionalen Komponenten in den Filmen. Die Zwerge handeln vermehrt aus Rachsucht und Gier, Bilbo handelt die meiste Zeit über aus unbekannten oder äußerst schwammigen Gründen, nur zwischendurch flackern sein Stolz und sein Mut auf, und Gandalf - weiß man überhaupt mal wirklich, was in dem vorgeht? Ich vermute, dass Jackson der neuen Trilogie noch eine Art - und schon wieder der ewige Vergleich - Aragorn/Arwen-Liebesgeflecht geben wollte, das etwas über den sonst eher egoistischen Motiven und Handlungsweisen der anderen Sympathie-Träger (oder gewollten Sympathie-Träger) herausragt. Fair enough. Diese Komponente hat mich nicht gestört, aber auch nicht besonders begeistert. Eine Liebesstory gehört halt dazu.

Wenn ich die rein technisch-filmische Inszenierung betrachte, fallen mir auch Szenen wie die Orkstadt (plus Orkkönig und sein Gesang), die Spinnen und der Düsterwald (im Extended Cut!) und besonders die Seestadt positiv auf. Ich kann dahingehend allerdings auch andere Meinungen sehr gut nachvollziehen. Ach ja, zum Extended Cut des zweiten Teils: Lohnt sich. Rundet den Film ab und er wird um viele tolle Szenen ergänzt. Thorins Vater bekommt eine Nebenrolle spendiert, die zwar nicht besonders tiefgehend ausfällt, aber der ganzen Nebenhandlung um Gandalf und den Nekromanten mehr Gehalt gibt.

Und zum Schluss bleibt auf der "Haben"-Seite noch ein absolutes Todschlag-Argument:
Welche qualitativ vergleichbaren Fantasy-Filme gibt/gab es denn aktuell in den Kinos?


Zusammenfassend kann ich ohne zu lügen behaupten, dass ich mich wirklich sehr auf den abschließenden "Hobbit"-Teil freue. Natürlich wird die dargestellte Schlacht in keinem Verhältnis zu der im Buch beschriebenen stehen und natürlich wird der Abschluss der Trilogie längst nicht so berührend und wehmütig ausfallen, wie der Abschied bei "Rückkehr des Königs" - aber es wird gute, unterhaltsame Fantasy mit hohen Schauwerten und viel Materialschlacht geben. Und vielleicht, nein, sogar wahrscheinlich, wird auch das Ende dieser Trilogie eine Lücke in der alljährlichen Weihnachtszeit hinterlassen. Ich habe die Zwerge, Bilbo, Smaug, Bard, Tauriel und Gandalf sowieso liebgewonnen. Ein erneuter Abschied von Mittelerde wird nicht leicht fallen.

Auf irgendeiner einschlägigen News-Seite habe ich übrigens gestern eine Schlagzeile zu dem neuen Film gelesen, die wie folgt lautete: "Der neue Hobbit-Film - Scheitern in drei Teilen". Ich hoffe, dass ich zu dieser Diskussion eine etwas andere Betrachtungsweise beitragen konnte. Für mich hat Jackson in drei Teilen gezeigt, dass er sowohl Kino als auch Tolkien verstanden hat. Ob dem einzelnen seine Variante gefällt, hängt wohl ein wenig davon ab, welcher der beiden Seiten man mehr Gewicht zuspricht.

Falls ihr den letzten Teil auch in der nächsten Zeit schauen werdet, wünsche ich viel Spaß! Euch allen jedenfalls eine schöne Weihnachtszeit.

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