Donnerstag, 26. Februar 2015

Max schaut - Horror Teil Eins

Wie an mancher Stelle bereits erwähnt, bin ich ein sehr großer Fan von Horrorfilmen jeglicher Art. Ich würde nicht sagen, dass ich mich überragend gut auskenne, aber aufgrund von viel Zeit, viel Langeweile und dem Verzicht auf soziale Bindungen habe ich doch so manchen Streifen gesehen.

An dieser Stelle möchte ich einfach einen kleinen und bescheidenen Teil meiner langjährigen Filmerfahrung festhalten und euch ein paar Werke aufzählen, die mich begeistern konnten. Dabei lege ich den Fokus allerdings nicht auf einen oder mehrere spezielle Filme - will also keine fundierten Rezensionen schreiben - sondern eher auf einen übergeordneten Begriff von Horror. Ich hangel mich dann von Streifen zu Streifen. Dabei soll es vordergründig darum gehen, was mich gruselt.

Und das Thema meiner Filmauswahl lautet: Okkulter Horror. Dass das ein sehr schwammiger Begriff ist, kommt mir zu Gute, da ich so nicht allzu eingeengt in meiner Filmauswahl bin. Um es trotzdem irgendwie abzustecken: Ich verzichte auf Geister und das klassische "Paranormale", sondern beschränke mich auf alles, was irgendwie in die Welt beschworen und auch wieder aus der Welt verdammt werden kann. Rätselhafte Symbole, Hexen, Beschwörungsrituale und Verkörperungen des guten, alten Luzifers fallen damit in mein Ressort. Filme wie Der Exorzist, Das Omen oder weitere Bildmedien, deren Stories hauptsächlich auf dem Element der "Besessenheit" fußen, werde ich allerdings außen vor lassen. Wenn mir in der Zukunft mal nicht einfällt, worüber ich schreiben soll, habe ich das dann noch in der Hinterhand. (Clever.) Das gleiche gilt auch für Giallo-Streifen.

Diese Woche Sonntag wird außerdem ein zweiter Teil auf meinem Blog erscheinen, dessen Thema "Haunted House"-Filme und somit Geisterkram und dergleichen sein werden. Diesen zweiten Teil werde allerdings nicht ich schreiben, sondern eine wunderbare Gast-Bloggerin (die eigentlich gar keinen Blog hat, sich dafür aber hervorragend mit Horrorfilmen auskennt). Ich bin selber auch sehr gespannt und kann nur sagen: Das wird bestimmt ein Riesenspaß. Vorher müsst ihr aber trotzdem noch durch meinen Text. Doch keine Sorge - der wird super!

Ein besonderer Reiz an Filmen dieser Art - also welche, die sich eben einem okkulten Hintergrund verschrieben haben - ist für mich die dichte Atmosphäre, die dadurch erzeugt werden kann. Ti West, ein Regisseur, der immer wieder als aufstrebendes Talent betitelt wird, hat mich eben durch Stimmung und Atmosphäre mit seinem The House of the Devil ordentlich gegruselt. Nicht unbedingt geschockt und auch nicht den Puls in die Höhe getrieben, aber in seinen Bann gezogen.

Auch Rob Zombie hat mit seinem letzten Film, The Lords of Salem, ein ähnliches Kunststück vollbracht. Zwar fällt das Finale sehr pompös aus, aber bis dahin hat dieser Streifen eine düstere, packende Atmosphäre. Das ist natürlich nicht unbedingt etwas, was nur okkult angehauchte Horrorfilme leisten können. Aber für mich haben filmische Teufelsanbetung, Hexenkräfte und die Darstellung (oder eben Nicht- Darstellung) der schlummernden Kraft, die irgendwo unter der Oberfläche wartet, auf der wir Menschen uns bewegen, einen besonderen Beigeschmack. Bei Slasher-Filmen gibt es eben eine physische Bedrohung, die oftmals an physische Grenzen gebunden ist, und bei Geister- und Haunted House-Filmen sind es in der Regel verstorbene Seelen, die ihren Frieden suchen. Wenn es jedoch an Dämonen und die Kraft des Bösen geht, verlieren plötzlich sämtliche Regeln ihre Gültigkeit.

Zurück zu The Lords of Salem. Was diesen Film für mich außerdem besonders unterhaltsam gestaltet hat, war die größtenteils ruhige und durchdachte Filmkomposition und die Symbolik, die sich immer wieder versteckt oder sehr offensichtlich breitmacht. Auch das gehört für mich zu einem guten, okkulten Horrorfilm dazu.

Und so kommen wir zum ersten Found Footage-Film in dieser Reihe, nämlich Blair Witch Project. Abgesehen von der unterschwelligen Bedrohung (die bei meiner ersten Sichtung des Films zu keiner Sekunde von mir gewichen ist), arbeitet auch dieser Streifen mit merkwürdigen Symbolen, beispielsweise den Steinhaufen und Holzkonstruktionen. Irgendetwas, was dort, in diesem Wald erschaffen wurde, ohne dass man weiß von wem und weshalb. Ein physischer Gegenstand, der plötzlich nicht mehr den Regeln der physischen Welt unterliegt, weil man versteht, dass ihm etwas tiefes und finsteres anhaftet. Steine erfüllen plötzlich einen Zweck, der über das Menschenverständliche hinausgeht. Das mag ich sehr. Die Abstraktion einer dunklen Kraft, die sich in kleinen, eigentlich gefahrlosen Details manifestiert.

Und damit bin ich bei Clive Barker und seinem Erstling Hellraiser. Hier sind es die Zenobiten, die darauf lauern, in unsere Welt durchzubrechen. Aber wie schaffen sie es? Durch einen Würfel, der ungeahnte Kräfte in sich trägt. Ein einfacher Würfel, den man, ähnlich eines Rubik's Cube, drehen und verschieben kann und der auf den ersten Blick wie ein antikes Spielzeug wirkt. Hellraiser zählt zu meinen absoluten Favoriten im Horror-Genre. Großartige Effekte, geniale Atmosphäre und sogar eine annehmbare Story. Und wo wir schon bei Barker sind, möchte ich auch Lord of Illusions nicht unerwähnt lassen. Dieser Film fällt zwar nur bedingt in meine Kategorie des Okkulten, aber ich drücke da einfach ein Auge zu. Das Finale in dem Sektenhaus, irgendwo in der Wüste, hat es mir besonders angetan. Plötzlich ragen Menschen zur Hälfte aus dem Boden, eine endlos tiefe Kluft öffnet sich und die Erde selbst verschlingt den Sektenanführer. Hier bleibt die beklemmende Atmosphäre zwar etwas zurück, aber dafür wird die Bedrohung gut in Schauwerten eingefangen. Ersteres ist mir zwar lieber, aber eine Kombination aus beidem wäre mir am liebsten.

Womit wir schon wieder einen Sprung machen und zwar zu Fede Alverez' Evil Dead von 2013. Dieser Film sitzt mittig im Post und bildet auch irgendwie den Kern. Denn Fede Alvarez hat mich da, wo The House of the Devil meinen Puls eben nicht beschleunigt hat, beinahe in einen Infarkt getrieben. Und dort, wo bei Lord of Illusions die Bedrohung in den Bildern und der Action untergeht, verschmilzt bei Evil Dead beides zu einem gigantischen, ekligen Wulst mit tausend hungrigen Mäulern. (Wow, was für Vergleiche! Da zeigt sich mal wieder, warum ich der beste, noch lebende Autor in ganz... Aber ich schweife ab.)

Evil Dead ist ein Film, der riesige Fußstapfen zu füllen hatte - was er auch nur bedingt geschafft hat (ohne Bruce Campbell ist es nun einmal nicht so groovy). Unter einem distanzierteren Blick (ich bin weithin als Meister des distanzierten Blicks bekannt) und vor allem unter Rücksichtnahme auf den Anteil des okkulten Horrors, macht Evil Dead allerdings alles richtig. Soundtrack top, Schnitt und Komposition großartig. Die Bedrohung entfaltet sich in physischer Gewalt, in psychischer Gewalt, in paranormaler Gewalt und durch das permanente Speisen der Angst davor, was als nächstes passiert. Besonders betonen möchte ich zudem die Beschwörungsformel und das Necronomicon (ehemals Naturum Demonto), die Evil Dead eben diese besondere, okkulte Note geben, die ein solcher Film für mich braucht.

Das in Evil Dead aufgegriffene Necronomicon entstammt ja ursprünglich der Feder Abdull Al-Haz... ich meine, H. P. Lovecrafts, und der nächste Film erinnerte mich an die Werke dieses Autors. Erneut sind wir im Found Footage-Genre angelangt: Rede ist von The Borderlands (2013). Hier steht zusätzlich eine religiöse Komponente im Vordergrund, die der ungreifbaren Bedrohung natürlich zusätzliches Futter gibt. In diesem Film breitet sich eine finstere Macht in einer kleinen Dorfkirche aus. Das Dunkle und Böse im Konflikt mit dem vermeintlich Hellen - nur, dass die Kirche selbst (jetzt als Instanz, nicht als Gebäude) ebenfalls Dreck am Stecken hat. Allein das Ende von The Borderlands ist preiswürdig. Coole Idee, cool umgesetzt - aber ich will ja nicht spoilern.

Nicht nur in The Borderlands bildet eine Kirche das zentrale Gebäude, sondern auch in dem genialen Fürsten der Dunkelheit von John Carpenter. Mit diesem Film lässt sich gut der Bogen zum anfänglichen The House of the Devil schlagen, da Ti West mit seinem Werk eben das Feeling solcher 80er Streifen wie Fürsten der Dunkelheit auffangen wollte. Atmosphäre, Soundtrack und düstere Bildgewalt stehen, in gewohnter Carpenter-Manier, ganz oben und deshalb spielt auch dieser Film ganz oben in meiner Liga der okkulten Horrorfilme mit.

Noch einmal zusammenfassend:
Böse Kräfte, eine unerklärliche Bedrohung, dichte Atmosphäre, die beklemmende Komposition, Hexen, Zauberformeln, Furcht vor dem Unbekannten und Übergriffe in die reale Welt sind mir für mich Indikatoren eines guten okkulten Horrorfilmes. Wenn es euch ähnlich geht, dann kann ich euch übrigens mein bald erscheinendes Buch empfehlen, das wird nämlich all diese Zutaten auch haben. Nur noch besser.

Vergesst nicht am Sonntag wieder vorbeizuschauen, wenn meine wunderbare Gast-Bloggerin sich vorstellen und euch von ihren Haunted House-Favoriten erzählen wird. Wird bestimmt noch (!) besser als dieser Text - also: es lohnt sich!

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