Donnerstag, 5. März 2015

Max zockt - Fantasy

Als Fantasy-Autor beziehe ich einen Großteil meiner Inspirationen natürlich aus Medien, die sich ebenfalls im Fantasy-Genre ansiedeln. Das kommt ja alles nicht von ungefähr. Ich denke, dass die Bücher, die mein Vater mir früher vorgelesen hat (Hobbit + Herr der Ringe, Borribles und - übrigens bis heute mein Lieblingsbuch - die Braut des Prinzen), schon den Grundstein gelegt haben. Im Laufe der Jahre stolperte ich dann noch über ein paar weitere Bücher, sah einige Filme und Animes und las einen Haufen Comics, die alle maßgeblichen Einfluss auf die Art von Fantasy hatten, die ich nun zu schreiben versuche.

Einen weiteren Eckpfeiler bilden die Videospiele, mit denen es bei mir schon in späten Kindertagen lsoging. (Allmählich beschleicht mich das Gefühl, dass ich zum Fantasy-Autoren herangezüchtet wurde...) Jedenfalls gehöre ich zu einer der ersten Generationen, die von Kindesbeinen an mit Videospielen in Berührung waren. Los ging's für mich mit dem ersten Duke Nukem, Have a N.I.C.E. Day und Fifa 98. Na gut, so richtig viel Fantasy steckt da noch nicht drin. Aber es dauerte nicht mehr lang, bis die "Baldur's Gate"-CD (bzw. die 5 CDs, die das Spiel damals brauchte) ihren Weg in mein Laufwerk fand.

Bevor ich nun chronologisch abreiße, bei welchen Spielen es sich für mich bis heute lohnt, sie mal wieder anzuschmeißen, erkläre ich noch eben, warum ich es auf "Fantasy" beschränke. Natürlich spielte und spiele ich auch einen Haufen anderer Titel, aber Fantasy hat's mir eben angetan. Außerdem hatten Fantasy-Themen den großen Vorteil hauptsächlich in Rollenspielen aufbereitet zu werden. Was ein Rollenspiel oder RPG ist, möchte ich an dieser Stelle nicht erläutern (Google ist dein Freund). Wichtig ist nur, dass mir RPGs am meisten Spaß machen. Und diese handeln klassischerweise von Fantasy- oder Science Fiction-Welten. (Dass ich mich als Autor für Fantasy entschied, hängt damit zusammen, dass man für Science Fiction sehr schlau sein und sehr geduldig recherchieren muss.) (Außerdem ist Fantasy cooler.)

Angefangen hat es, wie gesagt, mit Baldur's Gate. Da das schon was älter ist, hier noch einmal die Empfehlung, es nachzuholen (oder neu zu entdecken). Vor einem oder zwei Jahren ist eine aufgearbeitete Fassung erschienen. Die bietet zwar keinen grafischen oder spielerischen Mehrwert (so weit ich weiß), aber läuft problemlos auf aktuellen Systemen. Das ist nicht immer gegeben, bei etwas angestaubten Games. Zum Spiel kann ich nur sagen: Es ist grandios. Das Fantasy-Setting von Baldur's Gate hat ehrlich gesagt nicht so viel Einfluss auf mein eigenes Schaffen gehabt, aber es ist trotzdem eine Welt, die mich mühelos begeistern kann. Welche Seite gut und welche Seite böse ist, ist zwar relativ klar abgesteckt, aber alle Figuren, die sich dazwischen bewegen, bestehen aus Grautönen. Mein persönlicher Liebling ist Minsc, ein Berserker, der sich stets mit seinem süßen, kleinen Hamster namens Boo unterhält ("Immer auf die Augen, Boo, immer auf die Augen"). 

Sowieso lebt das Spiel von der Heldentruppe, die man sorgsam zusammenstellen und dann noch sorgsamer zusammenhalten muss. Sie kann jederzeit auseinander brechen, wenn man die falschen Entscheidungen trifft oder die einzelnen Begleiter sich untereinander in die Haare kriegen. Aber auch darüber hinaus bietet Baldur's Gate eigentlich schon alles, was man heutzutage von einem Rollenspiel erwartet. Außer die Grafik, aber Grafik ist halt auch nur Schmuckwerk. Die Welt dahinter muss stimmen. Bei Baldur's Gate stimmt sie. Beim zweiten Teil übrigens auch, der mindestens genauso gut war.

Als nächstes sind dann Diablo II und Sacred von mir regelrecht zerzockt worden, aber die sind leider nur wenig relevant für diesen Text. Das Hack'n'Slay-Prinzip gibt halt nur wenig her, was sich auf Bücher oder das Schreiben solcher übertragen lässt. Trotzdem gute Spiele, die etliche Stunden meiner frühen Jugend gekostet haben.

Die nächsten Meilensteine in meiner Fantasy-Videospiel-Historie waren "Warcraft III" und die Erweiterung "Frozen Throne". Dieses Spiel war nicht nur mein erster, ernstzunehmender Kontakt mit Echtzeitstrategie (wenn ich mal großzügig von Age of Empires II absehe - klick mich: tsch-ha), sondern hat mir auch einen neuen Blick auf bis dato altbekannte Fantasy-Klischees gegeben. Natürlich gab es zu dieser Zeit schon viele andere Geschichten - und möglicherweise auch Videospiele - in denen Orks nicht gleich böse und Menschen nicht gleich gut waren, aber für mich war Warcraft III dahingehend ein Erstkontakt. Arthas, als der tragische, vom Weg abgekommene Held, Thrall, als der verantwortungsbewusste, besonnene Anführer, und auch spätere Figuren wie Illidan oder Kael waren wie eine kleine Erleuchtung. Ob nun Elf, Mensch, Ork oder Untot, alle Akteure handeln nachvollziehbar und aufgrund klarer Motive. Auch wenn ich heute nicht über Orks oder Elfen schreibe, war das trotzdem eine wichtige Erkenntnis. 

Noch dazu ist die Welt von Warcraft (Achtung, Wortspiel) so ausgefeilt und groß, dass sie problemlos das riesige MMORPG World of Warcraft (lustig, oder? hach ja...) füllen konnte. Das habe ich nie gespielt, aber die verschiedenen Kontinente und Dimensionen kamen ja auch schon in Warcraft III vor. Darüber hinaus haben mich die unterschiedlichen "Entwicklungsstufen" der verschiedenen Völker nachhaltig beeindruckt: Während manche auf Magie und Naturverbundenheit setzen, stehen bei anderen Maschinen oder Technologien im Vordergrund. Dass plötzlich Orks mit Zeppelinen und Untote mit Katapulten anrückten (statt der Menschen, denen üblicherweise Fortschritt zugesprochen wird), hatte einen netten Effekt. Das sind alles Ideen oder Gedanken, die mir auf die eine oder andere Art und Weise noch anhaften.

Das nächste Spiel auf meiner Reise zum Fantasy-Autoren war "Shadow of the Colossus" auf der Playstation 2. Zwar genießt dieses Spiel großes Ansehen, ich habe aber trotzdem das Gefühl, dass viele es noch nicht kennen. Holt das nach (gibt's auch für die PS 3 im Store)!

In SoTC bereist man als Wanda ein namenloses Land, in dem eben die 16 titelgebenden Kolosse hausen. Außerdem gibt es dort einen Tempel, in welchem Wanda den Leichnam seiner Freundin Mono platziert, um sie zurück ins Leben zu holen. Eine göttliche Stimme erklärt ihm, dass er nacheinander alle 16 Kolosse finden und töten muss, um Monos Tod rückgängig zu machen. Das ist schon alles. Mehr erfährt man als Spieler kaum und mehr muss man auch nicht wissen.

SoTC lebt von seiner Monotonie und Einfachheit. Bis auf die 16 Gegner ist die Welt unbewohnt - und trotzdem muss man sie manchmal minutenlang durchreiten, bevor man den nächsten Koloss erreicht. Aber das ist nur eine der vielen Seltenheiten, die das Spiel den meisten anderen voraus hat. Da sind beispielsweise noch die Kämpfe: um einen der Kolosse zu erlegen sollte man mindestens eine halbe Stunde einplanen, beim ersten Versuch etwas mehr. Zunächst muss man einen Weg finden, sie zu erklimmen (die Dinger sind riesig), dann die Schwachstelle finden und so lange verwunden, bis die nächste Schwachstelle auftaucht - und wieder klettern. Die Kämpfe sind wenig actionreich, dafür umso spannender und intensiver. Das Spiel hat mir etwas wichtiges über Story und Handlung beigebracht: manchmal braucht man die gar nicht. Natürlich trägt sich ein Buch nicht in der Art und Weise über Atmosphäre und Setting, wie es ein Spiel tut, und natürlich braucht man für ein 700 Seiten dickes Werk auch eine Geschichte - aber ich persönlich halte die Stimmung einer Szene für genauso wichtig, wie ihre Storyrelevanz. Ich träume immer noch von einem Buch, das nur von einem einzigen Charakter lebt - und der Welt, die er durchschreitet (wenn ihr da einen Tipp habt, schickt ihn mir bitte an meine E-Mail: klick mich).

So, nun wird der Fantasy-Controller an "Morrowind" weitergereicht. Da später auch noch Oblivion und Skyrim folgten, handele ich alle drei Spiele auf einmal ab. Über das Setting als solches möchte ich nur wenig verlieren, denn wer sich den Text bis hierhin durchgelesen hat, wird bestimmt schon einmal von der "Elder Scrolls"-Reihe gehört haben (oder ist gefesselt von meiner sprachlichen Finesse, von meinem unterschwelligen Humor und meinem bescheidenen Genie).

Die Elder Scrolls-Spiele sind großartig, weil man komplett in ihnen versinken kann. Man spielt aus der Egoperspektive, muss also nicht die ganze Zeit seinen lächerlich muskelbepackten Helden oder seine merkwürdig knapp bekleidete Heldin betrachten, und verfällt dadurch noch mehr seiner eigenen Rolle in der Welt. Wenn mir danach ist, eine absolute, allumfassende Fantasy-Erfahrung zu erleben, dann drehe ich die Boxen voll auf, nehme das Gamepad in die Hand und werfe Skyrim an. Wer mir deshalb Prokrastination oder Eskapismus vorwerfen will, dem sei an dieser Stelle gesagt: du hast vollkommen recht. Wenn man der echten Welt entfliehen möchte, dann kann ich nur die Elder Scrolls-Spiele empfehlen.

Die Figuren sind zwar nicht besonders tiefgehend, die Story kaum innovativ und auch die Welt mutet recht klassisch an, aber was Detailgrad, Open-World-Feeling und "Sich-im-Spiel-verlieren" angeht, gibt es nichts besseres. Mein Autorendasein hat das kaum beeinflusst, meine Liebe zur Fantasy aber umso mehr. Mit Morrowind habe ich angefangen, als ich 14 war, und daraufhin Oblivion und Skyrim jeweils zum Erscheinungstermin erworben.

Als nächstes kam "Dragon Age". Dragon Age wurde schon oft als der geistige Nachfolger von Baldur's Gate bezeichnet und das kann ich so bestätigen. Ich empfand es zwar als etwas leichter, aber ansonsten steht es eindeutig im Geiste der alten Bioware-Klassiker. Viel muss ich zu Dragon Age eigentlich gar nicht mehr sagen, da es im Grunde das gleiche bietet, wie eben Baldur's Gate. Man erschafft eine eigene Figur und heuert nach und nach eine Gruppe an, die einen in Kämpfen und Missionen begleitet. Die Charaktere interagieren untereinander, ohne das man als Spieler etwas dazu tun muss, und reagieren teils sehr empfindlich auf Entscheidungen und Spielweise. Ansonsten Fantasy-Standard-Kost: böse Mächte wollen die Welt erobern/ zerstören und es liegt an uns, all die fiesen Kreaturen zu vermöbeln. Dennoch ein schönes und angenehm langes Spiel.

Um das ganze nicht unnötig in die Länge zu ziehen, werde ich gleich nur noch einen letzten Titel behandeln, der einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen hat. Damit all die anderen Spiele, die mir in den letzten zehn Jahren begegnet sind, aber nicht unerwähnt bleiben, folgt noch eine kleine Aufzählung:

Gothic II - hat mir alles beigebracht, was ich über durchtriebene Charaktere und Flüche wissen muss. Vor allem über Flüche.

The Witcher - habe ich gespielt, weil ich großer Fan der Buchreihe von Sapkowski bin. Gutes Spiel, habe es aber leider nicht durchgespielt. Vom Setting und der Welt hat es mir natürlich nichts Neues gezeigt, da ich die Bücher ja schon kannte. Werde aber hoffentlich bald endlich den zweiten (und dann den im Mai erscheinden dritten Teil) der Spielereihe zocken können, da wahrscheinlich ein neuer PC ins Haus steht. Yeah.

Darksiders I + II - coole, sehr comichafte Games mit viel Blut und markigen Sprüchen.

Torchlight - Diablo in neu.

Vampires: The Masquerade - Bloodlines - nicht im klassischen Sinne Fantasy, aber da diesem Spiel auch ein waschechtes Rollenspiel-System zu Grunde liegt, war's für mich ein gefundenes Fressen. Eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Für mich als Vampirfan auch sehr interessant, da verschiedene Vampirvarianten bzw. -Typen Teil der Welt sind, die man in diesem Spiel erlebt. Hat mir einiges über Vampire gezeigt, was durchaus für Inspiration gesorgt hat.

Legend of Zelda: Ocarina of Time - habe selbst nie einen N64 besessen, aber habe mir einmal für einen Dänemark-Urlaub einen ausgeliehen. Dieses Spiel musste innerhalb dieser einen Woche dran glauben und ich hoffe, es eines Tages noch einmal spielen zu können. Classic!

Dragon's Dogma - nicht besonders zugängliches, aber sehr lohnendes Fantasy-Spiel. Relativ jung, daher auch noch frisch in meiner Erinnerung. Dieses Spiel hat mir gezeigt, wie man fantastische Kreaturen gut in eine möglichst realistische Welt einbinden kann: Indem sie einfach unglaublich stark, bedrohlich und fies sind. Die Helden müssen sich daran die Zähne ausbeißen.

Außerdem erwähnt werden müssen: Mass Effect, Fallout und Bioshock. Auch nicht mehr Fantasy als Vampires, aber drei unglaublich gute Spiele.

So, last but not least, ein besonderes Schätzchen: Dark Souls. Dark Souls ist hauptsächlich für seinen Schwierigkeitsgrad bekannt. Darauf möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht eingehen. Denn abgesehen davon, hat dieser Titel noch andere Dinge zu bieten: allem voran eine dichte, beklemmende und ergreifende Atmosphäre - wenn man sich denn darauf einlassen kann. Als einsamer Spieler durchstreift man ein riesiges, verwuchertes Areal, das hauptsächlich aus dunklen Tunneln besteht. Gepaart mit der allgegenwärtigen Bedrohung vom nächsten Billo-Gegner locker aus den Latschen gehauen zu werden (ganz zu schweigen von den wirklich harten Brocken), entsteht dadurch ein Gefühl der absoluten Hilflosigkeit. Man ist abgeschieden von allem, was man kennt (auch als Spieler), und springt mit jedem neuen Gebiet wieder ins kalte Wasser. Das, was Shadow of the Colossus schon in mir losgetreten hat, hat Dark Souls um das hundertfache verstärkt. 

Atmosphäre und Gefühl sind wichtig, auch für ein Buch. Zumindest sehe ich das so - aber da ich bekanntermaßen genial bin und immer recht habe, brauchen wir darüber gar nicht zu diskutieren. 

Vielen Dank für's Lesen, liebe Leute! Hiermit beende ich meine Ausführungen zu Videospielen. Ansprechen möchte ich allerdings noch meine Blogthemen für diesen Monat:

am 12.03. - TOP 10 - Comicfiguren
am 19.03. - Max schaut - Fantasy Filmfest Nights
am 26.03. - Stand der Dinge - März '15

Macht's gut und habt eine schöne Restwoche.

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