Donnerstag, 23. April 2015

Max' TOP 10 - Filme

Nachdem ich mir vor ein paar Wochen überlegte, welche 10 Comic- und Cartoonfiguren mir die liebsten sind (Noch nicht gelesen? Dann: hier klicken!), wage ich mich jetzt an ein noch heikleres Thema: Filme. Ja, ja, ja, ich weiß. Das Ergebnis wird gewiss großes Diskussionspotenzial bieten, aber das nehme ich in Kauf. Lasst eurem Unmut freien Lauf, wenn ihr anderer Meinung seid und denkt, dass meine Top 10 kompletter Schwachsinn ist. Ich werde mir dann selbstverständlich die Zeit dafür nehmen, euch haarklein zu erklären, wieso ihr falsch liegt und meine Auswahl natürlich die richtige ist. Fanservice wird bei mir noch groß geschrieben (ha, ha, welche Fans?).

Wie beim letzten Mal gibt es allerdings ein paar Dinge, die ich festhalten möchte, bevor ich loslege. Es sind keine Regeln, wie bei den Cartoons und Comics, sondern ein paar Hinweise, damit ihr meine Vorgehensweise versteht:

1) Ich wähle die Filme nicht nur danach aus, dass ich sie als würdig für meine TOP 10 erachte, sondern auch danach, dass ich sie noch bei der hundertsten Sichtung gut finde. Meine persönlichen Klassike also, und nicht kleine aber genauso schnell vergessene Highlights.

2) Darüber hinaus entscheide ich auch noch nach dem Regisseur, der hinter dem Streifen steckt. Das macht die Liste besonders interessant, da so jeder Film gleichzeitig für sich selbst, für einen Regisseur, den ich gut finde, und dessen Gesamtwerk steht. (Mit einer halben Ausnahme, aber dazu kommen wir dann.)

3) Da es mir zu schwer fiel, die zehn Werke auch noch in eine wertende Reihenfolge zu bringen, kommen sie jetzt einfach in alphabetischer Sortierung.

4) Damit der Post nicht die epische Länge eines Romans erreicht, erzähle ich nicht ausführlich, worum es in den Filmen geht. Wenn ihr einen der Titel noch nicht kennt, aber euer Interesse geweckt wird, dann seid ihr außerdem nicht gespoilert und könnt ihn euch fix anschauen.

Und: Los geht's, viel Spaß!


Eins - 13 Assassins (Takashi Miike)

Auf dem Cover von 13 Assassins lässt sich folgendes lesen: "Die besten Kampfszenen seit Kill Bill" (The Raid war damals noch nicht erschienen...), "Ein fließendes und glitzerndes Stück Samurai-Action" und "13 Krieger. 1 Armee. Totales Massaker." - und damit ist das Wichtigste eigentlich schon gesagt.
Wer auf asiatisches Kino im Allgemeinen und Samuraifilme im Speziellen steht, der sollte sich den Film unbedingt einmal anschauen. Takashi Miike, auf den ich gleich noch näher eingehen werde, tritt mit diesem Werk das Erbe von Eiichi Kudo, den "Lone Wolf & Cub"-Filmen und dem genialen Akira Kurosawa an. Wenn ich also Lust auf einen Samuraifilm bekomme, dann greife ich fast immer zu 13 Assassins. Denn im Gegensatz zu neueren Werken wie dem unsäglichen "47 Ronin" oder dem mittelmäßigen "Rorouni Kenshin" bringt Miike mit seinen Assassins die nötige Ernsthaftigkeit und den richtigen Look mit. Zwar ist die Gewalt genauso überspitzt, wie in den meisten anderen Filmen des Samurai-Genres, auf historische Korrektheit wird ebenfalls nicht viel gegeben und eine fantastische Figur hat sich eingeschlichen, aber trotzdem wirkt 13 Assassins glaubhaft, dreckig und ernst.
Die Kameraarbeit und das Bühnenbild des Films sind insgesamt eher ruhig und sperrig, obwohl natürlich viel gekämpft wird. Miike hat seinen sonst sehr überbordernden Stil etwas zurückgefahren und sich tatsächlich an älteren Filmen wie den "Sieben Samurai" oder "Das Schloss im Spinnwebwald" orientiert.
Wie oben erklärt, steht 13 Assassins hier nicht nur, als einer meiner zehn Lieblingsfilme, sondern auch als Repräsentant eines guten Regisseurs. Da ich mich schon von Kindesbeinen an mit asiatischen Bewegtbildern beschäftigte, stieß ich natürlich recht früh auf Takashi Miike. Und ich muss sagen: er hat es mehr als verdient, in meiner Liste zu stehen. In manchen Werken läuft sein Wahnsinn zwar etwas aus dem Ruder (Klassiker: Ichi - The Killer), aber in den letzten Jahren hatte ich das Gefühl, dass sich das gefangen hat. Dafür liefert er durch die Bank weg eine gute visuelle Umsetzung und erzählt - für westliche Zuschauer sowieso - interessante Geschichten. Zu meinen weiteren Lieblingen von ihm zählen: Sukiyaki Western Django (obwohl ich den koreanischen "The Good, The Bad, The Weird" für den besseren Asia-Western der letzten Jahre halte), seine beiden Crows-Filme und natürlich sein Vorzeigewerk schlechthin: Audition.
Wem 13 Assassins übrigens auch gefallen hat, dem möchte ich einen weiteren Film von Miike empfehlen: Hara-Kiri. Da wird zwar weniger gekämpft, aber von der Geschichte und dem Stil ist er sehr nah an den Assassins. Ruhiger, aber intensiver Film. Weiterer Anspieltipp meinerseits wäre der koreanische "Swordbrothers" (auch bekannt als "The Showdown") von Park Hee-Soon.

Zwei - Alien (Ridley Scott)

Alien... Was will man noch zu Alien sagen, was nicht schon hundert Mal gesagt worden ist? Für mich stimmt an diesem Film einfach alles: wir haben die Nostromo, wir haben Sigourney Weaver als Ripley, daneben auch noch John Hurt und Ian Holm, wir haben gnadenlos gute Effekte, sehen die Umsetzung der visuellen Ideen von H. R. Giger auf der großen Leinwand und erleben den ersten Auftritt des namengebenden Aliens. Ein Film, der nicht nur eine ganze Reihe an Fortsetzungen, sondern auch einen eigenen Kult ins Leben rief. Ich liebe Alien.
Ich habe den Streifen verhältnismäßig spät gesehen, erst mit dreizehn oder vierzehn, und trotzdem konnte er mich genauso fesseln wie zeitgenössische Filme. Über fünfundreißig Jahre sind seit dem Erscheinen vergangen und immer noch funktioniert Alien perfekt. Er ist beklemmend, düster und spannend. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich einen düsteren SciFi-Film brauche, dann landet Alien oder sein Nachfolger Aliens im DVD-Player.
Oder aber Blade Runner, um ganz geschickt den Bogen zum Regisseur Ridley Scott zu schlagen, der natürlich nicht nur für Alien gefeiert ist. Auch der genannte Blade Runner, Black Rain, Gladiator, Hannibal oder American Gangster sind von ihm. Nicht jeder ist ein Meisterwerk, aber auf jeden Fall lohnt es sich, sie einmal anzuschauen. Alien und Blade Runner ruhig auch hundert Mal.

Drei - Armee der Finsternis (Sam Raimi)

Dass ich ausgerechnet den dritten Teil (obwohl das ja umstritten ist) der Evil Dead-Reihe ausgewählt habe, um Sam Raimi, genannte Serie und einen meiner Lieblingsfilme zu präsentieren, mag auf den ersten Blick seltsam anmuten. Aber bedenkt: Tanz der Teufel 1 ist zwar ein absoluter Klassiker und nach wie vor großartig, aber wie gut hat er sich schon gehalten? Ich höre euch schon schreien, aber wenn ihr ehrlich zu euch seid, wisst ihr, was ich meine. Tanz der Teufel ist einfach kein Hellraiser, kein Braindead und auch kein Armee der Finsternis. Er ist gut und als Horrorfan sollte man ihn gesehen haben, aber er ist damals schon unter geringem Budget entstanden und eher für den Franchise bekannt, der er begründet hat, denke ich. Tanz der Teufel 2 ist Tanz der Teufel 1 mit mehr Budget, besseren Effekten und weniger unfreiwilligem, dafür mehr gezieltem Witz, aber Armee der Finsternis ist durch und durch originell, wirklich komisch, mit noch ausgefeilteren Tricks und Effekten und Bruce Campbell in absoluter Höchstform. Wenn ich Bock auf Sam Raimi kriege, dann gucke ich in der Regel Armee der Finsternis und eben nicht die beiden Vorgänger. Hochglanztrash aus den 90ern: groovy!
Abgesehen von der Evil Dead-Reihe, Darkman und - wenn man ein Auge zudrückt - vielleicht noch Drag Me To Hell hat Raimi ja leider nicht so viel Großartiges hervorgebracht. Aber mal ehrlich, reichen die Tanz der Teufel-Filme nicht schon, um eine Nennung in dieser Top 10 zu rechtfertigen? Und da ich auch irgendwie mit der Spiderman-Trilogie groß geworden bin, auch wenn ich sie heute nicht mehr besonders gerne schaue, war Raimi schon immer ein Regisseur, dessen Filme ich mochte. Ohne ihn wäre ich erst sehr spät auf Bruce Campbell gestoßen - und das wäre wirklich eine Schande gewesen.

Vier - Bang Boom Bang (Peter Thorwarth)

Neunzig Minuten Hardcore - echte Gefühle!
Der wohl zitierfähigste deutsche Film aller Zeiten, der von mir am öftesten gesehene deutsche Film (Was? Bully Herbig? Wer ist das?) und auch einfach der beste deutsche Film der letzten Jahrzehnte. Ohne die Unna-Trilogie, deren Speerspitze nun einmal Bang Boom Bang ist, gäbe es keinen Kalle Grabowski. Könnt ihr euch eine Welt ohne Kalle Grabowski vorstellen? Ich auch nicht. Manndo!
Mal ehrlich: man kann über Bang Boom Bang sagen was man will - aber stattdessen kann man auch einfach die Klappe halten und ihn zum tausendsten Mal anschauen. Was da im Minutentakt abgefeuert wird, ist schon nicht mehr feierlich. Dafür aber absolut feierbar. Feine Gags, eine feine Darstellerriege, feine Dialoge, feiner Ruhrpottflair und verdammt nochmal Ralf Richter! "Was nicht passt, wird passend gemacht" und "Goldene Zeiten" sind selbstverständlich auch echte Schätzchen und sogar der letzte Film von Thorwarth, "Nicht mein Tag", hat mich sehr gut unterhalten. Summa summarum blieb mir demnach keine andere Wahl, als Bang Boom Bang in die Liste aufzunehmen. Doch anstelle von Lobesreden lieber noch ein paar meiner Lieblingszitate:
"Boah, endlich hast du den Scheiß abgestellt. Die Olle war ja schäbbig wie die Nacht, ne?"
"Mann, ihr seht nicht nur scheiße aus, ihr seid auch scheiße!"
"Ja, ja, doch so Laptops, verstehste? Die Dinger, ja, ich kenn' mich aus, zum tragen, weißte?"
"Mensch, Schlucke, wat soll'n wir hier denn klauen? Den Gabelstapler?"
"Komm, quatsch mich nicht voll, Alter, quatsch mich nicht voll. Ich bin dabei, hörste?"
Nur beim Schreiben der Zitate bekomme ich schon wieder Lust, den Film zu gucken. Absolut gerechtfertig auf meiner Liste!

Fünf - Blues Brother (John Landis)

Oben habe ich ja geschrieben, dass mir eine wertende Reihenfolge der Filme zu viel abverlangt hätte - aber um ehrlich zu sein: das gilt erst ab dem zweiten Platz, denn der erste wäre ganz unstrittig an Blues Brothers gegangen. Blues Brothers ist wirklich mein Lieblingsfilm. Der Lieblingsfilm! Aber vorweg habe ich ja noch etwas erwähnt: dass es eine kleine Ausnahme bezüglich des Vorgehens gibt, Filme auch aufgrund ihres Regisseur auszuwählen. Die liegt hier vor.
Natürlich hat John Landis viele coole Filme gemacht. Die Streifen mit Eddie Murphy mag ich zum Beispiel ganz gern (Die Glücksritter und der Prinz aus Zamunda), natürlich auch American Werewolf und der grenzgeniale Kentucky Fried Movie ("Nicht nach Zürich!"). Aber für mich ist Landis nicht so ein Name wie Ridley Scott oder Takashi Miike. Es gibt gute Filme von ihm, aber es gibt nur einen Blues Brothers. Jedoch ist der ohne Zweifel so gut, dass er auf die Liste musste.
Blues Brothers hat alles! Würde ich einen Film machen, dann müsste er genauso sein. Mit Stil und absoluter Coolness, spektakulärer Autoverfolgungsjagden, perfekter Musik, mindestens genauso zitierfähigen Sprüchen wie in Bang Boom Bang, einer interessanten Geschichte und einer Besetzung, die bis in die letzte Rolle stimmt. Wer Filme liebt, der liebt die Good ole' Blues Brothers Boys. Punkt.

Sechs - Das Ding aus einer anderen Welt (John Carpenter)

Regie: Carpenter. Musik: Morricone (und Carpenter). Hauptdarsteller: Kurt Russel. Shut up and take my money!
Hauptsächlich trumpft dieser Film mit seinen bis heute unglaublich guten Effekten, der tollen Musik und dem düsteren Setting auf, doch gibt es da natürlich noch mehr. Carpenter hat das große Talent, durch Kameraarbeit und dem Zusammenspiel aus On- und Offscreen-Geschehnissen filmische Räume zu erschaffen, die eine bedrückende Stimmung erzeugen. Außerdem sind nicht nur seine Ästhetik, sondern auch sein Filmrhythmus und die Komposition sehr ausgefeilt. Besonders die Szene, in der MacReady den heißen Draht in die Blutproben der anderen Stationsmitglieder hält, um zu überprüfen, wer infiziert ist, baut eine ungeheure Spannung auf - um sich dann mit einem wahren Effektgewitter zu entladen.
Es gibt andere Horrorfilme von Carpenter, in denen die psychologische Komponente (die guter Horror meistens braucht, um wirklich zu gruseln) deutlicher im Vordergrund steht - allerdings finde ich nicht, dass man dem Film das vorwerfen kann. Das Ding ist das, was es sein will, und das genügt mir vollkommen. Und es unterhält mich nicht nur ein- oder zwei Mal, sondern immer und immer wieder.
Allerdings könnten hier auch unzählige der anderen Filme von Carpenter stehen: Assault, Halloween I + II, Mächte des Wahnsinns, Fürsten der Dunkelheit, Die Klapperschlange, Big Trouble in Little China, Sie leben und vielleicht noch der ein oder andere, der mir jetzt entfallen ist. Irgendwie schafft es Das Ding aber, all das, was ich an Carpenter-Streifen und überhaupt Filmen aus den 80ern schätze, zu kristallisieren und gezielt auf den Punkt zu bringen. Deshalb knapp vor Snake Plisskin hier: Das Ding aus einer anderen Welt.

Sieben - Kill Bill (Quentin Tarantino)

An dieser Stelle war die größte Krux, nur einen einzigen aus all den Tarantino-Filmen auszusuchen. Ja, Tarantino ist ein viel zu oft gefallener Name und irgendwie bin ich es inzwischen schon fast überdrüssig, ihn in jeder Filmliste zu finden, aber wenn er dort nun einmal hingehört? Es ist ja nicht so, dass Tarantino zu Unrecht so gefeiert wird.
Wieso ich mich also für Kill Bill entschieden habe? Nun, erst einmal muss ich sagen, dass Kill Bill für mich einen Einschnitt im Schaffenswerk von Tarantino darstellt. Zwischen Jackie Brown und der ersten Hälfte von Kill Bill (denn, wie jeder weiß, ist Kill Bill ein Film in zwei Teilen!) vergingen sechs volle Jahr, die der Regisseur laut eigener Aussage damit verbrachte, ein Drehbuch nach dem anderen zu schreiben. Dann kam Kill Bill und viele waren enttäuscht. Das habe ich damals natürlich nicht mitbekommen (ich war 10), aber rückwirkend habe ich doch durch Literatur und Interviews erfahren, dass viele Kritiker etwas anderes erwartet haben. Da ich Tarantinos Werk nicht in der Reihenfolge ihres ursprünglichen Erscheinens geschaut habe, blieb mir eine solche Enttäuschung erspart - denn ich kann verstehen, dass einige Leute bei ihrer ersten Sichtung von Kill Bill mit zwiegespaltenen Gefühlen aus den Kinosälen kamen. Wie gesagt, Kill Bill ist für mich als ein klar erkennbarer Einschnitt in Tarantinos Schaffenswerk zu erkennen.
Die erste Hälfte, also Pulp Fiction, Reservoir Dogs, Jackie Brown und unter Vorbehalt auch From Dusk Till Dawn, wirkt im Vergleich zur zweiten Hälfte, Kill Bill, Death Proof, Inglourious Basterds und Django Unchained, ungeschliffener. Natürlich hat er seine Filme von vorneherein gut geschrieben und auch ziemlich ausgefuchst durchkomponiert - gerade das hat ihm ja zu frühen Ruhm geholfen. Aber allein, wenn man sich die Stories anschaut: Reservoir Dogs spielt (Rückblenden außen vor gelassen) an einem Tag. Pulp Fiction spielt ungefähr an drei Tagen (obwohl sich die Forschung da uneinig ist). Jackie Brown vielleicht innerhalb von zwei Wochen und From Dusk Till Dawn umfasst ein paar Tage.
Selbst wenn man die zeitlichen Rückblenden (die die Story auf ungefähr fünf Jahre ausdehnen würden) weglässt, muss die Geschichte von Kill Bill mindestens einen Monat dauern. Death Proof hat einen großen zeitlichen Sprung, aber die beiden Hauptstoryabschnitte umfassen jeweils nur einen Tag, in Ordnung. Inglourious Basterds hingegen - ohne die Eingangssequenz, auch hier mehrere Wochen. Bei Django Unchainend kann ich es nicht genau sagen, aber wenn man die Reisegeschwindigkeit von Kutschen realistisch betrachtet und die kurze Winterepisode mit einbezieht, sind Schultz und Django bestimmt ein paar Monate zusammen unterwegs.
Auch was den Stil angeht, hat Tarantino in diesen sechs Jahren des Schreibens eine Wandlung vollzogen. Die guten Dialoge hatte er vorher schon, okay, aber wie sieht es mit der Action aus? Bei From Dusk Till Dawn hat er die Kampfszenen nicht choreografiert, deswegen müssen wir die aus dem Fokus nehmen. Erst mit Kill Bill fügen sich Kampfszenen in seine Filmwelt ein, die eben so durchkomponiert sind, wie die Dialoge und die versetzte Erzählweise.
Darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass Tarantino erst mit Kill Bill seine technische Expertise komplett ausgereizt hat. Bild im Bild-Sequenzen, Wechsel zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Sequenzen, eine Filmlänge von über 3 Stunden, ohne in ein eintöniges Erzählschema zu verfallen. Auch die Kameraarbeit und - ja, das immer wieder genannte Thema - und die Dialoge empfinde ich erst bei Kill Bill als voll ausgereizt.
Beleidigt mich ruhig, wenn ihr Pulp Fiction immer noch besser findet, aber mein Lieblingsfilm von ihm ist Kill Bill. Der durchgestylte, von vorne bis hinten durchkomponierte und epische Tarantino gefällt mir eben noch besser, als der junge, wilde Gangster-Film-Tarantino.

Acht - Prinzessin Mononoke (Hayao Miyazaki)

Aus dem Kampf zwischen Prinzessin Mononoke und Akira ist der erstere siegreich hervorgegangen, da ich den Namen des Regisseurs von Akira erst einmal nachschauen musste, Hayao Miyazaki mir dafür von Kindheit an ein Begriff war.
Ungefähr mit zwölf Jahren sah ich Mononoke das erste Mal und auf meinem Weg zum Autor hat der Film seinen Teil geleistet, da bin ich mir sicher. Mononoke ist nicht nur hervorragend gezeichnet, sondern erzählt von einer mythischen Welt, die Fantasyeinflüsse mit dem historischen Japan verwebt - wie man es eben von Miyazaki gewohnt ist. Von all den wunderbaren Werken, die dem Ghibli Studio entsprungen sind, ist Prinzessin Mononoke mein liebstes. Nicht nur, weil es mein erster Miyazaki-Film war, sondern auch, weil er mich, was Mythen und Fantastik angeht, sehr inspiriert und beeinflusst hat.
Ebenso mag ich allerdings auch "Chihiros Reise ins Zauberland", "Das wandelnde Schloss", den jungen "Wie der Wind sich hebt", "Nausicaä aus dem Tal der Winde" und ganz besonders "Das Schloss im Himmel". Allesamt bezaubernde, rührende und wirklich fantasievolle Filme.

Neun - Shining (Stanley Kubrick)

Dieser Film wurde auf meinem Blog schon einmal diskutiert und zwar von der lieben Penny, als sie sich über Haunted House-Filme ausgelassen hat (nachzulesen hier: klick mich!). Und da habt ihr auch schon den Grund für den Einzug in meine Top 10: ich liebe Haunted House-Filme und für Haunted House-Liebhaber ist Shining so etwas wie Jesus für Christen. Oder J. R. R. Tolkien für Fantasyautoren. Oder ich für guten Geschmack und Bescheidenheit.
Sagt, was ihr wollt über meine Top 10, aber auf Shining lasse ich nichts kommen. Diese Nominierung ist nicht diskutabel. Shining ist ein Meisterwerk und wer von sich behauptet, dass er Filme mag, oder sich sogar traut, sich selbst als Cineasten zu bezeichnen, der hat sich vor Kubrick zu verbeugen. Shining ist Kanon!
Es gibt so viele Elemente, die dieser Film nicht nur hervorragend verknüpft, sondern mit denen er einer ganzen Generation von Horrorfilmen auch den Weg geebnet hat. Die psychologische Vielschichtigkeit geht in Hand in Hand mit grafischem Horror, die Unzuverlässigkeit des Erzählten ergibt sich aus der Perspektive von Jack Torrance, dessen persönliches Empfinden das Dargestellte maßgeblich definiert. Aus der Kameraarbeit und - vor allem - der filmischen Komposition ergibt sich eine Atmosphäre, die ich so bei keinem anderen Film verspüre.
Stanley Kubrik - das Mastermind hinter Uhrwerk Orange, 2001, Full Metal Jacket und Eyes Wide Shut. In seiner Ära hat dieser Mann Film neu definiert, durch eine Erzählweise, die fast unvergleichlich ist.

Zehn - Zwei Glorreiche Halunken (Sergio Leone)

Der dritte Teil der Dollar-Trilogie und gleichzeitig mein Lieblingsfilm von Leone. Erneut die Musik von Ennio Morricone, die, neben dem Lied vom Tod, wohl jeder selbst im Schlaf noch mitsummen kann. Denke ich an Horror, dann kommen mir sofort Shining oder eben Carpenter in den Sinn. Denke ich an Western, dann ist es Leone.
Zwei Glorreiche Halunken ist nach Fight Club und Blues Brothers wohl der Film, den ich am häufigsten gesehen habe. Irgendwann so mit elf oder zwölf Jahren bin ich auf den Western-Geschmack gekommen und hatte das Glück, dass mein nahes Familienumfeld das gut aufgegriffen und mich in die richtige Richtung gelenkt hat. Neben Terence Hill - aufgrund der Nobody-Filme - waren Lee Van Cleef, Eli Wallach und Clint Eastwood schon früh meine Helden. Die anderen Dollar-Filme habe ich übrigens erst viel später gesehen.
Zwei Glorreiche Halunken ist ein Revolver von einem Film und besonders das eindrucksvolle Finale auf dem Friedhof hat mich komplett umgehauen. Sollte ich einmal selbst einen Western schreiben oder mich an Versatzstücken des Western-Genres bedienen, dann werde ich schamlos bei den Halunken klauen - alles andere wäre Blödsinn.
Von Leone mag ich tatsächlich jeden der Filme, die ich bisher gesehen habe. Allerdings sind das ausschließlich Western, die frühen Werke fehlen mir. Die Dollar-Trilogie ist über jeden Zweifel erhaben, die Nobody-Filme haben für mich Kultstatus und auch wenn die Amerika-Streifen die schlechtesten in dieser Reihe sind, gehören sie trotzdem noch zu den besten Western-Filmen, die ich kenne. Danke dafür, Sergio, Eli und Lee! Mögen sie in Frieden ruhen.


So, das war's. Da der Post schon eine gefährliche Länge erreicht hat, führe ich jetzt ganz knapp und kommentarlos noch ein paar Filme und Regisseure auf, die es leider nicht in die Top 10 geschafft haben, bei denen ich mich aber zu schlecht fühlen würde, sie nicht zu erwähnen. Ich sage schon einmal Tschüss und bis nächste Woche, wo euch das nächste "Stand der Dinge" erwarten wird. Macht's gut!

Dawn of the Dead - George A. Romero
Der Weiße Hai, Jäger des verlorenen Schatzes - Steven Spielberg
Clerks - Kevin Smith
True Grit, No Country for old Men - Ethan & Joel Coen
Suspiria - Dario Argento
The Conjuring, Insidious - James Wan
The Raid 1 + 2 - Gareth Ewans
In China essen sie Hunde, Old Men in new Cars - Lasse Spang Olsen
die Vengeance-Trilogie und Stoker - Park Chan-wook
The Devil's Rejects, Lords of Salem - Rob Zombie
Pusher, Drive, Only Gods Forgive - Nicolas Winding Refn (der gerade einen Horrorfilm dreht, yeah!)
Hellraiser, Lord of Illusions - Clive Barker
alles von Enzo G. Castellari und Antonio Margerithi
und natürlich die drei Herr der Ringe- und die drei Star Wars-Filme, ohne die man heutzutage auch nicht mehr weit kommt, so als Fantasyautor.

1 Kommentar:

Penny Urlaub hat gesagt…

Hallo!

Danke für diesen unterhaltsamen Post :)! Für meinen Geschmack bietet deine TOP 10 gar keinen Grund zur Diskussion. Schließlich ist es deine TOP 10. Abgesehen davon will ich mich nicht darüber beschweren, dass "Das Dschungelbuch" hier keine Erwähnung gefunden hat... tz tz!