Donnerstag, 30. April 2015

Stand der Dinge - April '15

Kurze Warnung, heute wird der Blogpost weder lustig noch bekommt ihr einen detaillierten Einblick in meine derzeitigen Arbeitsschritte - dafür aber einen generellen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, an einem Buch zu arbeiten. Speziell, wie es sich für mich zurzeit anfühlt.

Das erste Tertial des Jahres ist vorbei und ich wage einmal, gemeinsam mit euch, einen Rückblick auf diese vier Monate. Anfang Januar bekam ich einen großen Motivationsschub, einhergehend mit strenger Selbstdisziplinierung und regelmäßigem Schreibrhythmus. Abgesehen vom Buch versuchte ich, auch andere Bereiche meines Lebens etwas besser in den Griff zu bekommen. Das Studium, die eigene Fitness, Selbstverwirklichung usw.

Und nun, Ende April, schaue ich auf die letzten Monate zurück und bemerke, wie es naturgemäß immer so ist, dass manches gut und anderes weniger gut geklappt habt. Auf eine Sache bin ich aber wirklich stolz: mein Buch ist fast fertig. Wirklich fast fertig. Am 31. Mai werde ich es - und hiermit ist es offiziell - an alle willigen Testleser überreichen. Ob die zweite Version bis dahin schon die Form erreicht hat, die ich anstrebe, oder nicht, ist dabei jetzt egal. Diese letzte Deadline muss ich einhalten. Stand heute sieht es sehr gut aus - und als würde die zweite Version genau so werden, wie ich sie haben will.

Im Studium läuft es auch einigermaßen gut, allerdings längst nicht so prächtig, wie mit dem Schreiben. Woran das liegt? Nun, ein Buch zu schreiben macht mir einfach wesentlich mehr Spaß, als eine Hausarbeit. Das bedeutet nicht, dass mir eine Hausarbeit keinen Spaß macht. Bloß ist das Buch halt spannender. Das Problem ist aber: das Buch begleitet mich bereits seit zwei Jahren, fast genauso lange, wie das Studium. Und solange beides parallel da ist, wird es immer eine Zerreißprobe bleiben.

Mitte Januar habe ich beschlossen, meine Arbeit aufzugeben, um noch mehr Zeit für Studium und Schreiben zu haben. Nun habe ich pro Monat weniger als die Hälfte des Geldes, das mir vorher zur Verfügung stand, aber dafür doppelt so viel Zeit. Genug Zeit für Buch und Uni, möchte man meinen, aber irgendwie will das einfach nicht ganz klappen. Es sitzt mir immer eine Stimme im Nacken, die mir sagt, dass ich mehr schaffen sollte. Das Buch könnte schon lange fertig sein, sagt sie, und im nächsten Moment: das Studium auch.

Aber das ist eine Lüge - was auch sonst? Wenn das Buch fertig wäre, würde ich im Studium wahrscheinlich drastisch hinterher hängen. Wenn ich das Studium in Regelzeit beenden würde (ich bin derzeit im 6. Semester meines 2-Fach-Bachelor-Studiums, laut Verlaufsplan also im letzten), dann wäre mein Buch wahrscheinlich noch irgendwo bei 400 bis 450 Buchseiten. Nicht, wie jetzt, bei 700.

Was ist also der Stand der Dinge im April? Ich habe einen Monat lang wieder viel geschrieben und mir einen Monat lang wieder den Kopf darüber zerbrochen, wie schlimm oder nicht schlimm ist es, dass ich gewiss noch zwei bis drei oder sogar vier Jahre (denn den Master möchte ich schließlich auch machen - oder?) an der Universität verbringen werde. Ich bin stolz auf das, was ich geschrieben habe. Ich bin unsicher, ob ich mit meinem verzögertem Studium dem gerecht werde, was mein Umfeld von mir erwartet. Was ich selbst von mir erwarte. Tja, was erwarte ich eigentlich von mir?

Um auf den Punkt zu kommen: Ende Mai geht die erste Testfassung des Buches an Testleser. Das ist so etwas wie die Zielgerade. Fast geschafft. Ich bin 21 Jahre alt und werde - wenn jetzt nicht noch irgendetwas wirklich dummes passiert - noch vor meinem 22. Geburtstag einen echten Fantasyroman veröffentlichen. Vielleicht nicht bei einem Verlag, vielleicht nicht gedruckt, aber mit Sicherheit digital. Das erreicht zwar nicht die breite Masse, aber veröffentlicht ist veröffentlicht. Und dieser Roman ist nicht irgendein schnell zusammengeschriebener, kurzer Text von dreihundert Seiten - nein, er wird länger sein als jedes der drei "Der Herr der Ringe"-Bücher. Länger sein, als der fünfte Band von Harry Potter. Er erzählt eine richtige, und meiner bescheidenen Meinung nach auch lesenswerte, Geschichte.

Außerdem schreibe ich gerade eine neue Story auf meinem Blog, die auf neun bis zehn Kapitel ausgelegt ist und monatlich erscheint (hier den ersten Teil nachlesen: klick mich). Ende des Jahres wird auch das zusammengefasst als eBook erscheinen. Damit habe ich Ende 2015 auf Amazon mindestens drei eigenständige Veröffentlichungen.

Aber nun, da meine derzeitigen Ziele als Autor näher und näher rücken, frage ich mich, wann wohl Schluss ist. Ob ich überhaupt Schluss machen kann, oder ob ich mich direkt an das nächste Buch setze, in der Hoffnung, dass ich irgendwann in den nächsten Jahren tatsächlich so weit kommen werde, dass ich das Schreiben zu meinem Beruf (oder wenigstens Teilberuf) mache. Oder ist das nur ein Traum? Mit dem nächsten Buch, das ich mir vornehmen werde, wird das Studium einmal mehr in den Hintergrund rücken. Darf es das?

Ich habe erst vor zwei Tagen in meinem Buch einen Dialog geändert. Derzeit schreibe ich parallel die letzten zehn Seiten und bearbeite schon wieder alte Passagen, um wirklich rechtzeitig (31. Mai, ihr erinnert euch) alles auf einem Stand zu haben. In diesem Dialog geht es genau darum, was mich zurzeit beschäftigt (und das ist sicherlich kein Zufall): wofür soll man sich entscheiden? Muss man Angst vor der Zukunft haben oder sie als eine Chance sehen, all das zu tun, was einen glücklich macht? Muss man dafür sorgen, im Jetzt glücklich zu sein, oder lieber eine glückliche Zukunft vorbereiten?

Wo liegt meine glückliche Zukunft? Liegt sie in einem abgeschlossenen 2-Fach-Bachelor- und vielleicht sogar Master-Studium? Oder liegt sie in Geschichten, die vielleicht - je nachdem wie hart ich an mir arbeite und wie gut meine Geschichten nun einmal sind - eines schönen Tages von vielen Menschen gelesen und geschätzt werden?

Natürlich ist beides wichtig und natürlich werde ich beide Ziele verfolgen. Aber auf welchem baue ich meinen Plan A und auf welchem meinen Plan B auf? Kommt ein Plan B überhaupt in Frage?

Aber wir sprechen ja die ganze Zeit nur über mich. Was ist eigentlich mit dir? Was ist dein Plan A? Was macht dich glücklich? Stell dir vor, dass du das, was gerade dein Lebensziel ist, in einer Woche erreichst? Was kommt danach?

Ich möchte den Blogpost diesmal nicht mit meinen eigenen Worten, sondern denen von Rassa beenden. Wer den nicht kennt, sollte unbedingt noch die Hexe nachholen, oder wartet auf meinen Roman. Es lohnt sich auf jeden Fall, ihn kennenzulernen. Vielleicht finden diese Worte in ihrer jetzigen Form nicht einmal ihren Weg in den Roman, aber so wenigstens über den Blog zu euch:

"Vor elf Jahren habe ich gedacht, dass ich mit vierzig schon sechs Fuß tief unter der Erde liegen würde. Und dann haben wir den verfluchten Krieg gewonnen. Was bringt es schon, ständig in Angst vor der Zukunft zu leben? Wenn mich die Jahre eines gelehrt haben, dann, dass die Dinge immer weitergehen. Irgendwie regelt es sich schon... Entweder findest du eine gute Arbeit, oder du findest keine. Dann machst du eben solange eine schlechte, bis die nächste Chance auftaucht. Das Leben ist kein verdammter Fluss, dem du immer folgen musst, egal, wie dunkel die Gewässer werden. Das Leben ist ein Ozean - schwimm dorthin, wohin es dich zieht. Oder lass dich treiben."

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