Donnerstag, 28. Mai 2015

Game Of Thrones - The Exhibition

Am 16. Mai durfte ich die offizielle Game Of Thrones Ausstellung in Berlin besuchen. Natürlich wurden dorthin nur die renommiertesten Fantasy-Schreiberlinge eingeladen, weshalb es niemanden verwundern dürfte, dass ich auch dort anwesend war.

Nein, Spaß beiseite, die Tickets konnte sich jeder sichern, der schnell genug war. In diesem Fall bedeutet "schnell genug", dass man wirklich sehr schnell sein musste. HBO ist so cool, die Ausstellung vollkommen kostenfrei anzubieten, sodass die Tickets für die fünf Tage innerhalb von zehn Minuten restlos weg waren. Ich bin aber ein Fuchs und konnte mir ratzfatz die Karte für den Samstagmorgen sichern.

Nachdem die freitägliche Hinreise per Fernbus recht gut und zügig ablief, fand ich mich also am Samstag um 9:35 Uhr in der überraschend kurzen Schlange zur Ausstellung wieder. Die Tickets galten jeweils für eine Stunde, meine Zeit war dabei von 10 bis 11 Uhr. Darauf wurde allerdings nicht viel Acht gegeben, jedenfalls nicht zu solch früher Stunde. So durften wir schon um Viertel vor 10 die Arena Berlin betreten.

Als erstes erwartete uns ein langer Gang, der rechts und links mit riesigen Portraitaufnahmen der Hauptfiguren bestückt war. Da ich aber schon wusste, wie die aussehen - sonst wäre ich ja wohl kaum dort gewesen - hab ich mir das Fotomachen gespart und bin direkt nach hinten durchgerannt, um die Ausstellung zu besuchen. Noch schnell ein Stempel auf die Hand bekommen und schon ging's los.

Direkt im Eingang zum ersten Teil begrüßte uns eine Frau, die freundlich darauf hinwies, dass ganz hinten gerade überhaupt nichts los sei und man, wenn man den "Aufzug" besuchen wolle, gleich durchgehen könnte. Tja ha, da ich UNBEDINGT den "Aufzug" besuchen wollte, habe ich natürlich brav auf sie gehört und bin durch die Exhibition geeilt. Dabei kam ich schon an allerhand Ausstellungsstücken vorbei, aber dazu später mehr. Ganz hinten standen dann, wie angekündigt, die fünf Holzaufzüge und davor, ebenfalls wie angekündigt, eine lächerlich kurze Schlange.

Ihr wollt wissen, was der "Aufzug" ist? Der Aufzug ist eine Art Simulation, die den Besuchern vormacht, wie es ist, an der White Wall hochzufahren. Sie besteht aus mehreren Teilen, aber hier erst einmal ein Foto:


Was man auf den ersten Blick sieht, sind die Holzgerüste. In diesen Holzgerüsten befinden sich zudem: eine Oculus Rift, also eine Virtual Reality-Brille, ein Kopfhörer und ein gut versteckter Ventilator, der einem von oben Wind ins Gesicht bläst.

Kaum, dass ich mich angestellt hatte, kam ich auch schon dran und war schneller in einem von den Aufzügen, als ich "Valar Morghulis" sagen konnte. Was nun geschah, war folgendes: ein netter Herr wies mich an, in das Holzgerüst zu steigen. Falls ich Angst bekommen sollte, zu fallen, könnte ich außerdem einfach nach den Metallstäben an den Seiten greifen. Dann setzte er mir Brille und Kopfhörer auf, machte die Tür zu und meine Welt bestand nur noch aus der Weißen Mauer.

Zur Oculus Rift kann ich eigentlich nur folgendes sagen: geil. Geil, geil, geil! Die Vorstellung, dass die schon nächstes Jahr marktreif und dann recht schnell in jedem gut sortierten Nerd-Haushalt zu finden sind, lässt mein kleines Herz freudig hüpfen.

Wenn man die Brille aufhat, sieht man nichts anderes mehr, außer der Simulation - was ja auch Sinn der Sache ist. Ich sah also nichts anderes, als den Grenzposten vor der Mauer. Umsehen geht übrigens auch - einfach den Kopf drehen. Virtual Reality ftw! Dann setzte der Aufzug sich in Bewegung. Schon fing der Boden an zu vibrieren (das können diese verdammten Holzgerüste nämlich auch noch), mir wurde kalte Luft ins Gesicht gepustet und das aus der Serie altbekannte Knacken und Knarzen ertönte. Das alles wirkte so realistisch, dass mein Bauch sogar ein Gefühl simulierte, als würde ich wirklich in einem Aufzug fahren. Wenn man nichts anderes mehr sieht, als die Simulation, stellt der Körper sich schnurstracks darauf ein und die komischsten Dinge an. 
Nach ungefähr dreißig Sekunden (ich weiß, das ist unrealistisch schnell) war ich oben angekommen. Zu diesem Zeitpunkt stupste der nette Mann von draußen mich an und gab mir ein Zeichen, mich umzudrehen. Ich wandt mich also um und - da lag er vor mir, der wilde Norden. Hohe, weiße Berge, noch kältere Luft in meinem Gesicht und das ferne Geschrei von Raben. Und für den Bruchteil einer Sekunde war ich wirklich da. Klingt doof, hat sich aber umso besser angefühlt.

Als nächstes lief ich (automatisch, denn ich konnte ja nicht wirklich laufen) an den Rand der Mauer. Plötzlich tauchte unten eine dunkle Masse auf, die zielstrebig auf die White Wall zusteuerte - eine Wildlingsarmee. Einen Augenblick später wurde ich auch schon mit brennenden Pfeilen beschossen. Sound und Bild suggerierten mir hier so deutlich, dass ich angegegriffen wurde, dass mein Körper sich schon wieder dazu entschied, mitzuspielen: und mir ein unangenehmes (aber in dem Moment durchaus schönes) Ziehen in der Magengegend bescherte. Da durch die Oculus Rift auch eine räumliche Tiefe simuliert wird, ist der Effekt ähnlich, wie beim ersten Mal einen 3D-Film gucken: Dinge rasen auf einen zu und man versucht reflexartig auszuweichen. Nur noch etwas intensiver.

Ende der Geschichte: ich werde beschossen, gerate ins taumeln und stürze nach vorne, falle über die Klippe, in die endlose, weiße Tiefe des Nordens. Fade to white - und die Simulation ist vorbei.

Sechzig Sekunden, die sich dort angefühlt haben wie zehn, rückblickend jedoch der herausragendste Moment der ganzen Exhibition waren. Wenn ihr irgendwann einmal die Chance bekommt, eine Oculus Rift zu tragen: nutzt sie. Es ist wirklich krass.

Nachdem die Hauptattraktion bestritten war, kehrten ich und meine liebenswürdige Begleitung (ihr kennt sie noch vom Horrorpost: hier klicken) also zurück zum Anfang, um noch einmal die komplette Ausstellung zu genießen. Inzwischen hatten sich die Besucher etwas verteilt und so konnte man alles halbwegs entspannt betrachten. Natürlich war viel los, wie zu erwarten, aber es hielt sich noch in Grenzen.

Der erste Abschnitt der Ausstellung befasste sich mit dem Norden. Auf Nachfrage wurde uns versichert, dass alle Requisiten und Kostüme tatsächlich vom Set stammten. Ziemlich cool. Anfassen war allerdings nicht erlaubt - auch wenn die Verlockung ziemlich groß war, denn nur die kleinen Requisiten befanden sich hinter Glas.

Hier ein kleiner Eindruck:




Im zweiten Abschnitt durften wir dann Ausstellungsstücke betrachten, die thematisch der Königsstadt zuzuordnen sind:







Im dritten und letzten Teil ging es dann noch über das Meer zu Daenerys:





Außerdem gab es noch zwei interaktive Angebote, ich allerdings nicht genutzt habe. Beim ersten konnte man ein Foto von sich schießen lassen, in welchem anschließend die Augen blau eingefärbt wurden, um in einen Weißen Wanderer verwandelt zu werden - um ehrlich zu sein: es sah lächerlich aus.

Beim zweiten konnte man sich vor eine Wand stellen und sollte so tun, als würde man von einem Drachen verbrannt. Anschließend entstand eine kleine Videosequenz, in die ein billiger Drachenkopf eingefügt wurde, der Feuer speit. Das sah noch lächerlicher aus.

Das war es eigentlich, im großen und ganzen. Natürlich habe ich nicht Fotos von sämtlichen Ausstellungsstücken hochgeladen, also ein bisschen größer war die Exhibition schon. Riesig aber auch nicht.

Beim Rausgehen konnte man dann noch Fotos von den Bannern der größten Häuser schießen und sich selbst auf dem Eisernen Thron fotografieren. Da die Belichtung da leider nicht so gut war, habe ich kein vorzeigbares Foto. Der Thron sah aber ordentlich aus, obwohl er aus Plastik war. Dann mussten wir uns noch kurz gegen aufdringliche Sky-Mitarbeiter verteidigen, die unbedingt ein paar Abos loswerden wollten - das war die einzige offensichtliche Werbung, für ein kostenfreies Event dieser Qualität also vollkommen in Ordnung.

Der obligatorische Merchandisestand lud uns natürlich auch noch zum Einkauf ein, aber unsere Geldbeutel waren schon von Haus aus durchlöchert, deshalb sind wir weinend daran vorbeigezogen, ohne etwas mitzunehmen. Es gab aber coole T-Shirts, Sammelfiguren, Poster, Tassen, Schlüsselanhänger - ach, ihr kennt das Spielchen.

Beim Rausgehen sind wir dann an der Schlange für die nächste Zeitspanne vorbeigekommen, die schon deutlich länger war. Die Schlange, nicht die Zeitspanne. Außerdem wurde diese Fuhre von einem als Oberyn verkleideten Mitarbeiter begrüßt, der die Regeln erklärte (nichts anfassen, hinten ist der Aufzug usw.). Vermutlich gab es das bei uns nicht, weil die 10 Uhr-Kohorte deutlich kleiner war.

Alles in allem kann ich sagen: es hat sich vollkommen gelohnt, dafür nach Berlin zu fahren. Außerdem ist Berlin sowieso cool und zwei Tage kriegt man da ruck zuck rum. Wenn ihr noch mehr von der Ausstellung sehen wollt, dann kann ich euch nur Youtube ans Herz legen - dort gibt es tonnenweise Material. Außerdem könnte ich mir gut vorstellen, dass die Exhibition nicht das letzte Mal in Deutschland war. Wer weiß, was in der Promophase der sechsten oder siebten Staffel noch passiert? Falls Game Of Thrones ein weiteres Mal nach Berlin (oder in eine andere Stadt in der "Nähe") kommt, wisst ihr also, was ihr zu tun habt. Tickets schnell sichern und dann hin da. Wir sehen uns.

Kleine Anekdote zum Schluss:
Vor unserer Abreise am Samstag bestand ich noch auf einen kurzen Abstecher in den Saturn am Alexanderplatz. Ich hatte die Hoffnung, dass ich dort bereits The Witcher 3 erwerben könnte. Eigentlich war das Release-Date erst am 19.05, aber, wie erhofft, stand es dort tatsächlich im Regal. Auf den Saturn am Alexanderplatz lasse ich deshalb nichts mehr kommen. Das sind gute Menschen (und Witcher 3 ein gutes Spiel).

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