Freitag, 5. Juni 2015

Max zockt - The Witcher 3

Mich und den Hexer Geralt von Riva, auch bekannt als der Weiße Wolf, verbindet eine Geschichte, die bereits einige Jahre zurückreicht. Ungefähr vor sechs oder sieben habe ich nämlich den ersten Band der Hexer-Reihe von Andrej Sapkowski gelesen. Was die Spieleserie angeht, bin ich nicht ganz so bewandert – den ersten Teil spielte ich auf dem PC, allerdings nie bis zum Ende, den zweiten Ableger kenne ich nicht.

Nun erschien das Finale der Trilogie, die CD Projekt Red von Beginn an als solche geplant hatte, unter dem Namen "The Witcher 3 – The Wild Hunt". Nachdem Ende 2013 erste Gameplay-Videos auf Youtube die Runde machten, wuchs der Hype um und so auch die Erwartungen an dieses Spiel ins Unermessliche. Nicht nur bei mir, nein, das ganze Internet stand Kopf. Na gut, vielleicht nicht das ganze. Aber die wichtigsten Teile.

Ich selbst habe dieses Game seit Anfang 2015 sehnlichst erwartet und sogar schon vor dem offiziellen Releasedate losgelegt (hier noch einmal mein Dank an den Saturn in Berlin am Alexanderplatz, gute Menschen sind das, gute Menschen). Ich muss gestehen, dass ich es noch nicht komplett durchgespielt habe – behaltet das bei meiner Review im Hinterkopf. Allerdings dürfte ich rund zwei Drittel von The Witcher 3 hinter mir haben und das ist mehr als genug, um ein ungefähres Bild zu vermitteln.

Vorweg kurz die Frage, die schon von den meisten Fachmagazinen und -Sendungen beantwortet wurde: Wird das Spiel seinem Hype gerecht? Ich schließe mich dahingehend vielen Testern, Journalisten und Fans an und sage: Ja, wird es!

In den Medien und Internetforen war das größte Thema (und der größte Aufreger) kurz vor Erscheinung und auch lange danach noch: die Grafik. Aktuell flammt diese leidige Diskussion übrigens wieder auf – der grandiose Fallout 4-Trailer gibt da vielen Experten reichlich Anlass, ihre Meinungen im Internet kundzutun.

Da ich mich nun einmal auch im Internet bewege, im Internet meine Ansichten mitteile und mich im Internet präsentiere, sehe ich es als meine Pflicht an, mich ebenfalls ins wilde Grafikgetümmel zu stürzen.

Für diejenigen, die die Diskussion um The Witcher 3 nicht mitbekommen haben, hier eine kurze Zusammenfassung:
Die Grafik im fertigen Spiel entspricht nicht der Grafik, die in einigen vorweg gezeigten Trailer zu sehen war. Ob sie nun schlechter, besser oder einfach nur anders ist, liegt wohl im Auge des Betrachters. Aber, wie es im Internet nun einmal immer so ist, äußern diejenigen, denen die Grafikunterschiede egal sind, ihre Meinung natürlich nicht so vehement und deutlich, wie diejenigen, die sich an den Änderungen stören. Downgrade ist hier das Wort der Stunde: die Grafik wurde also angeblich verschlechtert. Das stößt selbstverständlich einigen bitter auf und es gibt viel Gemecker – in den meisten Fällen sehr, sehr typisch deutsches Gemecker.

Meine fünf Pfennig dazu:

1. Wenn dich an diesem Spiel die scheinbare Grafikverschlechterung stört und du dich aufregst, dass du 60 € für ein Game ausgegeben hast, das anders aussieht als erwartet, dann hast du diese 60 € also nur für die Grafik ausgegeben? Denn ob das Spiel Spaß macht oder nicht ist dir in diesem Fall komplett egal – du fühlst dich betrogen, weil du dein Geld "in den Sand gesetzt" hast. Meine Meinung: wer 60 € nur für die Grafik ausgibt, der hat wohl noch nie etwas von Gameplay, Story und überhaupt Spielspaß gehört. Kauf dir lieber ein schönes Bild – kommt auf das Gleiche raus.

2. Du glaubst, dass CD Projekt Red mit Absicht schönere Trailer gezeigt hat, damit du das Spiel kaufst, aber dann die Grafik wieder runtergeschraubt hat, um – ja warum überhaupt? Um die Performance zu verbessern? Um den Stil des Spiels an Umgebung, Story und Welt anzupassen? Nein, nein, das kann nicht sein, das wären ja logische und absolut legitime Gründe, wegen denen man sich nicht aufregen müsste. Also kann das nicht sein. Das haben die nur gemacht, um dich zu ärgern. Dich, nur dich! Seriously? Get a life.

3. The Witcher 3 sieht fucking gut aus! In Anbetracht der Größe der Welt, dem Umfang des Spieles, den verschiedenen und sehr unterschiedlich designten Gegenden und dem Style des Games, sieht es wirklich und einfach nur fantastisch aus. Die Grafik ist super – ob nun die Farbgebung anders ist, als in den Trailern, ob vielleicht ein oder zwei Details gestrichen wurden, um die Performance zu verbessern, oder ob der Unterschied zwischen PC und PS 4 nun gar nicht so riesig ist (noch so ein leidiges Thema...), ist für das Endergebnis so ausschlaggebend, wie die Art von Klopapier, die du benutzt. Ob nun drei- oder vierlagig – der Hintern ist danach sauber. Und die Grafik von Witcher ist und bleibt super.

Da hast du es! Und wenn du dich trotzdem noch darüber aufregt und dich im Internet lautstark echauffierst, dann hast du das Spiel sowieso nicht verdient.

Wir Gamer sind einfach viel zu verwöhnt. Egal, welche News ich auf einer der einschlägigen Gamingseiten lese, darunter gibt es immer eine ellenlange Diskussion, meistens sogar einen kleinen Shitstorm. Und wenn es an der News selbst nichts auszusetzen gibt, dann werden eben die Redakteure angegangen, dass sie überhaupt eine News schreiben, statt sich um anständigen Gamesjournalismus zu kümmern – welcher, wenn er dann kommt, genauso zerrissen wird.

Okay, das ist jetzt nichts neues, im Internet haben sich die Menschen schon immer scheiße benommen. Aber in der Zockerszene kommt es mir zurzeit noch krasser vor, als es normalerweise schon ist. Auch bei dem oben erwähnten Fallout 4-Trailer wird an jeder Ecke über die Grafik genörgelt. Hallo?! Die Grafik ist gut. Ob es nun derzeit besser aussehende Spiele gibt, ist doch völlig irrelevant. Ihr habt noch nicht eine Minute im Spiel verbracht und schon in fünf verschiedenen Forenthreads lang und breit erklärt, warum Fallout 4 scheiße ist. Hoffentlich werden eure zukünfigen Bewerbungsgespräche genauso ablaufen – nur umgekehrt.

So, genug dazu. Kehren wir zurück zu The Witcher 3 und dem Senf, den ich dazu noch abzugeben habe.

Die Grafik können wir ja schon abhaken: sie gefällt mir, sie ist stimmig, sie ist schön. In Skellige, einem der drei Hauptgebiete von The Witcher, kann ich mich kaum an der Umgebung satt sehen. Apropos Hauptgebiete – die Spielwelt von Witcher 3 wird der nächste Punkt sein (meine Überleitungen sind so gut... so gut!).

Da das vorliegende Videospiel auf den Fantasybüchern von Sapkowski basiert, was Charaktere, Welt und Kulturen angeht, achte ich darauf natürlich besonders penibel. Ich kann aber, ohne zu lügen, sagen, dass CD Projekt Red hier einen fantastischen Job gemacht hat. Auch wenn nicht immer alles genauso aussieht, wie in meiner Fantasie, so ist es doch glaubhaft und schön aufeinander abgestimmt. Besonders hervorzuheben ist hier die große Abwechslung: in The Witcher besteht alles aus Kontrasten, die allerdings nicht in schwarz-weiß einzuteilen sind, sondern in viele verschiedene Grautöne – mit ein paar bunten Klecksen dazwischen. Berge, Wiesen, Wälder, zwei große Städte, unzählige Dörfer, verlassene Villen, bunte Gärten, Getreidefelder, verlassene Kriegsgebiete, Burgen und Festungen, Höhlen und Dungeons, Sümpfe, Inseln. Nichts ist zufallsgeneriert und nichts sieht generisch aus (hallo Skyrim), was nicht nur sehr zur Atmosphäre beiträgt, sondern auch dazu führt, dass man sich sehr gut zurechtfindet. Die Welt dient nicht bloß als Plattform für die Quests, die es zu erledigen gibt, sondern erzählt in sich selbst kleine Geschichten. Eine so lebendige Rollenspielwelt durfte ich noch nie erleben – und was die Detailverliebtheit angeht, können für mich derzeit auch nur GTA 5 und Bloodborne mithalten.

Die Figuren sind genauso angelegt – ambivalent und interessant. Niemand ist auf den ersten Blick zu durchschauen und besonders die questrelevanten Charaktere, die den Spieler manchmal über Stunden begleiten, offenbaren selbst bei der zehnten Begegnung noch neue Seiten an sich.

Gleiches kann man – oh Wunder – auch über die Quests sagen. Bisher war zwar nichts dabei, was ich als wirklich episch bezeichnen würde (kann aber durchaus noch kommen), doch gerade in den kleinen Schicksalen der Personen und Wesen, die mir begegneten, lag oftmals eine Nahbarkeit, die mich emotional berührte. Das ganz große Kino findet sich in The Witcher 3 meist in den ganz kleinen Szenen, in den ruhigen Noten, in den hervorragend geschriebenen und vertonten Dialogen und in den Entscheidungen, deren Konsequenzen mich Mal um Mal überraschen.

Der Spielumfang ist gigantisch. So groß waren weder die Dragon Age-Spiele, noch die Elder Scrolls-Teile, noch sonst irgendetwas. GTA 5 vielleicht, aber GTA 5 ist nun einmal kein Rollenspiel und deshalb nur bedingt vergleichbar. In jedem Fall gibt's in The Witcher 3 an jeder Ecke etwas zu sehen. Nebenquests, die aus dem Nichts auftauchen, Schätze, die es von ihren unrechtmäßigen Besitzern zu befreien gilt, Monsternester, die Geralt ausräuchern muss – und, und, und...

Der Hexer durchquert diese Welt übrigens entweder zu Fuß, auf seinem treuen Pferd Plötze, auf einem Boot oder über die fair verteilten Schnellreisepunkte. Reiten macht zwar nicht ganz so viel Spaß, wie in Red Dead Redemption, aber es erfüllt seinen Zweck und ist meine Lieblingsreisemethode.

Am besten gefallen mir persönlich aber die Aufgaben der Hauptquest und die sogenannten Hexeraufträge. Hier wird Geralt für das angeheuert, für das er als Hexer ja nun einmal auch da ist – zum Monstertöten. Und das ist genauso spannend und herausfordernd inszeniert, wie in den Büchern. Erst untersucht Geralt die Stelle, an der das Monster zuletzt gesehen wurde, oder befragt Dorfbewohner danach. Dann macht er den Bau oder den Ort ausfindig, an dem es sich aufhält. Manchmal stellt sich das Monster auch als etwas völlig anderes heraus, manchmal muss Geralt sich mit Hexertränken, -Bomben und -Tränken auf den Kampf vorbereiten, machmal dies und manchmal das. Und dann geht's zur Sache.

Die Gegnervielfalt ist genauso riesig, wie das gesamte Spiel. Ghule, Ertrunkene, Wyvern, Greifen, Geistererscheinungen, Trolle, Nekker, Werfölfe, Vampire, Sukkubäen, Gestaltwandler, Doppler, Harpyen, Sirenen, Basilisken, Zyklopen, Golems, Morvudds... Und fast alle dieser Unruhestifter gibt es auch noch mehrere Unterarten, wie z.B. Königsgreifen, Feuergolems, Alghule, Sarasten usw. Dazu kommen noch verschiedene Wölfe und Bären, die Geralt in der wilden Natur das Leben ebenfalls schwer machen können. Und von den menschlichen Gegnern ist hier noch gar nicht die Rede.

Für den Kampf nutzt Geralt, wie in der Buchvorlage, zwei Schwerter: Silber für Monster, Stahl für Menschen und Tiere. Außerdem beherrscht er fünf magische Zeichen, auch wie in der Vorlage. All das geht locker von der Hand, auch wenn das Kampfsystem lange nicht so ausgefeilt und präzise ist, wie das eines Dark Souls oder Bloodborne. Nach einiger Zeit kommt man aber rein und dann kann es richtig Spaß machen, die Gegner zu zerschnetzeln. Denn eines lässt sich auf jeden Fall über Witcher 3 sagen: es ist brutal. Köpfe und Gliedmaßen fliegen durch die Luft, Schädel werden abgetrennt, Körper längs oder quer geteilt, Bomben zerreißen Menschen in der Mitte und überall spritzen Blut und Gedärme. Für den Dark-Fantasy-Fan, wie ich es bin, ein wahres Fest.

Die besten Dinge an Witcher 3 sind für mich allerdings:

1. Die Story, in die ich erst reinfinden musste, weil ich die Vorgänger nicht gespielt habe, die aber durch sehr viele Details, durch Nachvollziehbarkeit (Hallo Dragon Age) und mitreißende Wendungen überzeugen kann.

2. Die unglaubliche Motivation, weiterzuspielen, die schnell zur Sucht werden kann. Ich möchte jedes Geheimnis auf der Karte aufdecken, jedes Haus besuchen und jeden Feind zur Strecke bringen. Es gibt immer wieder neue Waffen und Rüstungen, neue Herausforderungen und durch die drei nacheinander zu bereisenden Hauptgebiete auch immer wieder neue Nebenquests.

3. Die unglaubliche Vielfalt. Keine einzige Quest ist reiner Standard (Hallo jedes andere Rollenspiel), jede einzelne ist immer mit der Spielwelt verwoben und oft kreuzen die Aufgaben sich auch untereinander.

Auf dem Rollenspielmarkt gibt es für mich derzeit nichts vergleichbares und das einzige Spiel, was mir in den letzten Jahren noch besser gefallen hat, war das von mir bereits besprochene Bloodborne (hier nachzulesen: klick mich). 

Witcher 3 ist zwar nicht bis ins Letzte perfekt geschliffen, auch traten bei mir dann und wann mal Bugs auf, die allerdings nicht den Spielfluss beeinträchtigten, aber in der Rollenspielwelt ist es wirklich ein Meisterwerk. Danke, CD Projekt Red, dass ihr so ordentlich mit der Vorlage umgegangen seid und gleichzeitig so sehr auf den Spielspaß geachtet habt. Danke.

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